Das Leben im Studentenwohnheim - wie sich Persönlichkeit im kleinen Raum ausdrückt



 „Domus tutissimum cuique refugium atque receptaculum.“ -

"Das eigene Haus ist für jeden der sicherste Zufluchtsort."

(Corpus Iuris Civilis, Digestae 2. 4,18)

 

Studentenwohnheime sind nicht gerade als Wohnform bekannt, in der man sich in seinen eigenen vier Wänden zu jeder Zeit in Ruhe entspannen könnte, ohne dass irgendwelche (jungen) Nachbarn auf die Idee kommen würden, durch Partys und Co ebendiese Ruhe zu stören. Gerade daher muss man sich im Studentenwohnheim einen Zufluchtsort ganz im Sinne eines refugiums schaffen, um sich wohlfühlen zu können.

 

Als ich die Studentenwohnanlage für eine wohnkulturelle Untersuchung besichtigte, stellte ich mir die Frage:

Welche Wohngrundbedürfnisse haben Studenten und wo zeigen sich Unterschiede innerhalb der studentischen Wohnkultur auf? Gibt es eine rein studentische Wohnkultur, geprägt vom Lernstress und vielleicht auch Partylaune, die wir in einem Studentenwohnheim ermitteln können?

Diese Frage konnte ich tatsächlich mit einem „Nein“ beantworten: Studenten sind auch nur Menschen mit unterschied-
lichen Wohnbedürfnissen, die man keinesfalls als Kollektiv betrachten sollte. Wie die Menschen sind auch die Wohn-
grundbedürfnisse individuell.

 

In diesem Blog möchte ich einen Einblick in meine Feldforschung und Forschungsergebnisse geben. Um mir die Analyse der untersuchten Zimmer zu erleichtern, hatte ich mir nachträglich überlegt, die Zimmer in die Wohnbereiche Wohn-
zimmer, Büro, Schlafzimmer und Küche einzuteilen, um zu schauen, in welchem Verhältnis die Bewohner versuchen, die einzelnen Bereiche nachzuahmen.

Zuerst findet ihr in diesem Blog, nach einer kurzen Einführung in die behandelte Lokalität, einige Beispielzimmer und im Anschluss daran, meine Ergebnisse, die sich aus der Analyse ergeben haben.


Wie sehen eigentlich die Zimmer und das Studentenwohnheim im Allgemeinen aus?

 

Als Untersuchungsort wurde die Studentenwohnanlage „Waldhaus“ im Waldhausweg in Saarbrücken ausgewählt. Das Gebäude besteht aus drei Hochhäusern, von denen zwei direkt und ein weiteres durch eine breite Unterkellerung, das Atrium, verbunden sind. In diesem Kellerbereich befinden sich auch gemeinschaftlich genutzte Waschmaschinen. Hinzu kommt ein weiteres Gebäude mit Familienwohnungen, die aber nicht Teil dieses Forschungsprojektes sind.


In Bezug auf die Möblierung und das allgemeine Wohninventar haben die Räumlichkeiten eine einheitliche Wohnaus-stattung. Dadurch lassen sich Unterschiede im Wohn- und Lebensstil der interviewten Studenten leichter erfassen, wenn diese beispielsweise eigene Möbelstücke hinzugefügt haben. Gleichzeitig fallen die individuellen Gestaltungmöglichkeiten der Wohnung durch die geringe qm-Zahl und den ähnlichen Grundriss der Einzel- und Doppelpartments entsprechend geringer aus.


„Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern da, wo man verstanden wird.“

(Christian Morgenstern)

 

Die Bewohner eines Studentenwohnheims haben, wie bereits angedeutet, eine eingeschränkte Wohnsituation. Das kleine Apartment mit einer Wohnfläche von 16 m² (inklusive Bad) bietet im Vergleich zu größeren Wohnungen für eine Person weniger Möglichkeiten zur persönlichen und funktionalen Gestaltung des Zimmers. Das Inventar an Möbeln und Gegen-ständen ist in der Regel vorgegeben. Die Gemeinschaftsräume dienen als eine Erweiterung des Wohnverhältnisses. Neben Gemeinschaftsräumen gibt es aber auch zur Mietung angebotene beziehungsweise zeitweise geöffnete Räume wie eine Küche mit Ofen oder aber auch eine kleine Bar, in der sich die Bewohner treffen können. Die Verwaltung der Räume und die Bereitstellung der Freizeitangebote für die Bewohner wird von einem Präsidium, das ausschließlich aus Bewohnern des Studentenwohnheims besteht, organisiert. Somit erkennt man, dass ein Studentenwohnheim gerade durch die Gemeinschaftsräume ein sehr sozialer Ort ist, wo man gemeinsam lernen und sich aber auch abseits des Uni-Alltags treffen kann. Das Miteinander ist also ein wichtiger Aspekt des Lebens in einem Studentenwohnheim.

 

Das Atrium (Klicken zum Vergrößern)
Das Atrium (Klicken zum Vergrößern)
Die "Heimbar" (Klicken zum Vergrößern)
Die "Heimbar" (Klicken zum Vergrößern)
Die Gemeinschaftsküche (Klicken zum Vergrößern)
Die Gemeinschaftsküche (Klicken zum Vergrößern)


Werkstatt und Wohnraum in Einem

Dieses Einzelapartment unterschied sich von den anderen, die ich untersucht hatte, dadurch, dass viel mehr „Handwerk“ bei der Gestaltung des Zimmers im Spiel war. Als ich das Zimmer betrat, fielen mir sofort die zwei Regalbretter auf, die rechts neben der Eingangstür eingehämmert waren. Das eine Regalbrett galt wohl nur für die Sammlung von Gewürzen und Kräutern. Darunter stand auf dem Boden ein naturfarbenes Regal mit Tellern, Besteck und Schuhen. Daneben war ein Staubsauger aufgerichtet. Auf dem Kühlschrank war eine längliche, braune Abstellfläche mit einigen Handwerksgegenständen angebracht worden. Der Bewohner hatte sie eher aus Spaß am Handwerk als aus einem bestimmten Grund gebaut.

 

In dem Bettkasten, den der Bewohner für mich aufgeklappt hatte, offenbarte sich eine große Ansammlung von Konserven und anderer Lebensmittel. Außerdem waren dort einige Taschen und Kartons eingelagert. Links neben dem Bett stand der Holzstuhl, der zur Grundausstattung des Wohnheims gehörte, und nicht weiter genutzt wurde. Denn der Bewohner hatte sich einen eigenen Schreibtischstuhl gekauft. Nochmals weiter links, an der Wandecke, befand sich schließlich der Kleiderschrank, auf dem mehrere Ordner nebeneinander gereiht waren. In dem anliegenden Standardregal waren unterschiedlichste Dinge einsortiert worden, die wohl ansonsten keinen anderen Platz gefunden hatten.

 


 

Das Zimmer war an nahezu allen freien Wandseiten mit Postern, Fotos oder Bildern dekoriert worden. Auf dem Schreib-
tisch standen neben sonstiger Gegenstände eine vom Bewohner hinzugefügte Lampe, Pflanzen und ein Laptop. Dadurch, dass der Tisch am Fenster platziert ist, scheint der Bewohner einen Arbeitsplatz mit natürlichem Licht zu bevorzugen. Das Regal soll als Ablage für oft genutzte Dinge, wie zum Beispiel der Waschschüssel ganz unten, dienen und steht daher in der Nähe von der Tür, der Küchenzeile und dem Arbeitsbrett.

 

Indirekt erfüllt das Bett für den Bewohner neben der Wohnzimmer- und Schlafzimmer-Funktion den Ersatz für eine Vorratskammer oder auch einen Keller. Da andere Bewohner auch bestimmte Stellen im Apartment als Lagerfläche ver-
wenden, stellt sich die Frage, ob ein menschliches Bedürfnis nach einem Lagerraum in den eigenen vier Wänden besteht. In anderen Zimmern wurde das Fehlen des Lagerraums nicht durch den Bettkasten, sondern zum Beispiel durch das Regal kompensiert, sodass man den Lagerraum fast schon als eigenen Wohnbereich hinzuzählen kann, der in den Apartments kompensiert wird.

 

Alles in allem wirkte das Zimmer auf mich funktional und gleichzeitig auch sehr persönlich eingerichtet. Gerade die Erweiterung der Abstellfläche des Kühlschranks durch das längliche Holzbrett und die Regalbretter zeigen, dass der Bewohner gerne sein Zimmer im größeren Stil verändern wollte.

Der Bewohner dieses Apartments wohnte schon mehrere Jahre hier und wollte sich dementsprechend einrichten. Nach und nach hatte er Gegenstände wie die Regalbretter, die Schreibtischlampe oder den Stuhl hinzugefügt, um die eher unbequemen und unpersönlichen Gegenstände der Grundausstattung zu ersetzen.


Rundgang durch ein Studentenwohnheim-Zimmer - über die Wirkung von Pflanzen und Teppich im Wohnraum

 

Bei einigen Zimmern hatte ich den Rundgang per Video aufgezeichnet, um mir später die einzelnen Gegenstände und deren Anordnung im Zimmer besser einprägen zu können. Bei all dem unprofessionellen Kamera-Gewackel erkennt man dennoch, wie eng der Raum wirkt, wenn man durch diesen schreitet:



Alle Zimmer sind gleich, aber jedes anders, weil jeder seine Persön-lichkeit versucht auszudrücken“, meinte der Bewohner während ich mit der Kamera durch die Wohnung ging. Der Bewohner lebte schon mehrere Jahre im Studentenwohnheim und zeigte großes Interesse daran, die Zimmer der anderen Bewohner zu sehen. Mehrere Gegen-stände stammten aus einer vorherigen Wohnung und wurden daher mit in das Studentenwohnheim gebracht.

Die erste Auffälligkeit in diesem Zimmer ist der schwarze Teppich, der vor dem Schreibtisch platziert wurde. Durch diesen wirkt das Apartment „heimischer“. Auch die Pflanze wertet den Raum optisch auf, da sie das Zimmer lebendiger macht. Der Fernseher, der auf das Bett gerichtet ist, verstärkt den Wohnzimmer-Charakter des Einzelapartments erheblich.

In meiner schriftlichen Ausarbeitung über das Thema sprach ich eine Dreiecksbeziehung zwischen Raum, Objekt und Mensch an. Die These lautet grob gesagt: Vom Menschen wahrgenommene Dinge formen den Raum. In diesem Zimmer assoziieren wir zum Beispiel aufgrund unserer kultureller Wurzeln mit dem Teppich, dem Fernseher und vielleicht auch der Pflanze ein Wohnzimmer. Dinge formen für uns also Räume. Das Sofa ist das wohl am einfachsten zu erschließende Beispiel, da für uns ein Wohnzimmer ohne Sofa vielleicht gar nicht als ein solches wirken würde. Würde man umgekehrt in einen schlicht eingerichteten Raum ein Sofa stellen, könnten wir uns ein Wohnzimmer vorstellen.

Insgesamt wirkt dieses untersuchte Apartment sehr strukturiert, da zum Beispiel der Büro-Bereich, welcher vor allem durch das Regal und den Tisch geformt wird, klar vom Wohnzimmer-Bereich getrennt ist. Das Regal ist bewusst nahe dem Schreibtisch platziert, sodass man darauf schließen kann, dass der Bewohner den Tisch vorwiegend zum Arbeiten verwendet.

Mit diesem Zimmer lässt sich leicht verdeutlichen, dass Pflanzen und Teppiche eine Wohnung optisch aufwerten, wenn es darum geht einen Wohnzimmer-Bereich zu „simulieren“. Gerade ein Teppich lässt sich, ähnlich wie zum Beispiel Poster, in kleinen Räumen leicht platzieren, ohne dass unnötig Platz verschwendet wird. Das Zimmer wirkt durch solche kleinen Veränderungen weniger funktional und persönlicher.


Die eigenen vier Wände als "Hobby-Raum"

Dieses Apartment bot einen einzigartigen Anblick bezüglich der Wandgestaltung. Hier hatte der Bewohner das Zimmer mit eigenen Zeichnungen geschmückt. Auf dem linken Schreibtisch, der ursprünglich auch im Zimmer war, lag ein selbst gebauter Apparat zum Abspielen von Musik, der mir als Nächstes auffiel. Wie dieser genau funktioniert, hatte ich nicht ganz verstanden. Der Bewohner erklärte mir unter anderem: „Also, der hat einen Infrarot-Receiver und der schickt jetzt auf den Computer so ein Script. Das schickt der zurück und zeigt den Titel an.“ Ich konnte lediglich verstehen, dass durch das Dimmen des Lichts im Zimmer die Lautstärke der abgespielten Musik durch ein Infrarot-Signal verringert wurde.

Bevor ich näher auf das Zimmer im Allgemeinen eingegangen bin, habe ich mir auch das Terrarium am Fenster angeschaut: „Sehr viel Kleinkräuter, die kein normaler Mensch erkennen würde. Das Terrarium, das sind (...) Packungen für Kleider, Fünfliterkanister und sehr viele Kaffeedosen.“ Der Bewohner erzählte mir auch von der improvisierten Fensterbank darunter: „Hier ist mein erweitertes Regal. Wir hatten keine Fensterbank, (…) ich hab' sie verunend-lichfacht, indem ich eine Regalplatte genommen habe und dann passend Telefonbücher dazu genommen habe (…). Das war tatsächlich recht praktisch.“

Der Tisch daneben, auf dem sich ein Laptop und eine Weinflasche befanden, stammte von einer ehemaligen Bewohnerin und wurde übernommen: „Dann hat den keiner gewollt (...), dann stand der im Druckerraum und dann hab' ich den irgendwann genommen.“


Auf dem linken Tisch befand sich ein weiterer Laptop, ein Bildschirm mit Lautsprechern und eine schwarze Lampe: „Die (Lampe) hab' ich schon ganz lange vom Baumarkt.“ Der Monitor stand auf einem kleinen, hölzernen Podest, unter das man die Tastatur schieben konnte: „Das Teil da ist geil, da merkt man, dass ich aus einem IKEA-Land komme, weil ich das selber da gebaut habe. Da war ich „ voll “ stolz drauf“. Unter dem Tisch stand ein Holzregal auf dem Boden, das der Bewohner als Fußhalter benutzt: „Das lag hier irgendwie draußen herum und sollte weggeschmissen werden.“

 

Dieses Zimmer war das mit Abstand am persönlichsten gestaltete Zimmer, das ich besucht harre. Man fand an jeder Wandseite eigene Bilder und im Zimmer wurden mehrere Hobbys ausgeübt und mir stolz präsentiert. Dass der Bewohner schon mehrere Jahre in diesem Zimmer gelebt hat, sah man diesem durch die vielzähligen Gegenstände an.

Der Hobby-Bereich lässt sich im ganzen Zimmer dieses Bewohners erkennen. Fast alle Wandseiten, und auch der Schrank, sind mit Bildern geschmückt und auf der Heizung wurden Bücher aufgestapelt, damit Pflanzenterrarien platziert werden können. Auch die beiden Tische werden laut Aussage des Bewohners neben der Büro-Arbeit auch für Hobbies verwendet.

Gerade anhand dieses Zimmers lässt sich erkennen, wie stark die eigene Persönlichkeit das Zimmer mitgestaltet. Der ganze Raum wurde „entfunktionalisiert“. Neue Gegenstände wurden hinzugefügt und funktionale Einrichtungen, wie die Heizung, sind auch für persönliche Dinge gedacht. Die Wände wurden fast vollständig zur Dekoration genutzt, wodurch der Raum auf den ersten Blick sehr zugestellt wirkt.

 

Die Annahme, dass Objekte Räume gestalten, zeigt sich gerade in diesem Zimmer, in dem persönliche Gegenstände in jeder Ecke vorzufinden sind. Dieser Bewohner wollte bewusst verhindern, dass das Zimmer steril und funktional wirkt.


Wohnkultur im Studentenwohnheim: abschließende Diskussion und Fazit

 

Ein Leben im Studentenwohnheim kann schon manchmal sehr chaotisch und verrückt sein, jedoch suchen auch Studenten in ihrer "kleinen Bude" nach Strukturen oder auch Gestaltungsmöglichkeiten, durch die man sich wie zu Hause fühlen kann.

Das Sofa als "Raumbildner"
Das Sofa als "Raumbildner"
Persönliche Gegenstände formen den Raum auf individuelle Art und Weise
Persönliche Gegenstände formen den Raum auf individuelle Art und Weise
Objekte wie Musikinstrumente gestalten ebenfalls den Raum mit
Objekte wie Musikinstrumente gestalten ebenfalls den Raum mit

Die Beschäftigung mit einem Studentenwohnheim im wohnkulturellen Kontext erschien auf den ersten Blick schwierig: Wie lassen sich überhaupt kulturelle Unterschiede in so kleinen Räumlichkeiten, in denen die Möbelstücke weitestgehend sogar vorgeschrieben sind, feststellen? Es stellte sich heraus, dass gerade die Untersuchung von kleinen Wohnräumen ein übersichtliches, auch systematischeres Vorgehen ermöglicht, da alle befragten Bewohner mit der gleichen Grund-ausstattung die verschiedensten Dinge anstellten.

 

In Bezug auf die Einteilung einer Wohnung in verschiedene Bereiche wie Wohn- oder Schlafzimmer fiel innerhalb dieser Projektarbeit oftmals das Wort Kompensation. In den Einzelapartments haben die Bewohner versucht, das individuell ausgeprägte Bedürfnis nach diesen Bereichen zu stillen. Es wurde innerhalb der Feldforschungsarbeit die These formuliert, dass Objekte auch als Wohn-„Räume“ funktionieren beziehungsweise diese in Teilen ersetzen, da in unseren Köpfen kulturell bedingte Assoziationen zwischen Objekten und ihnen zugeordneten Wohnräumen (wie zum Beispiel Küche, Wohnzimmer oder Bürozimmer) vorhanden sind.

 

Auch die Ethnologin Anamaria Depner geht von der Annahme aus, dass das Subjekt dem Objekt eine Bedeutung zuspricht. Depner geht aber einen Schritt weiter und sagt, „dass nicht nur wir die Dinge formen, sondern dass auch die Dinge uns formen“ (vgl. Depner, "Wie der spatial turn Einzug ins Wohnzimmer erhält", S. 285-287). Diese These lässt sich auch auf die Wohnkultur in einem Studentenwohnheim beziehen und bestätigen. Die Theorie, dass Objekte Raumformer sind, wurde bereits genannt und lässt sich mit den Aussagen Depners über Subjekt-Objekt-Beziehungen kombinieren.

 

Das bereits erwähnte Sofa zum Beispiel ist ein mit zahlreichen Bedeutungsebenen aufgeladenes Objekt, das unser wohnkulturelles Verständnis stark beeinflusst. Wir assoziieren mit diesem Gegenstand Gemütlichkeit, Ruhe und Geselligkeit und den Raum „Wohnzimmer“. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in zwei größeren Zimmern, die untersucht wurden, ein Sofa vorzufinden war. Der Schreibtisch ruft in uns dagegen die Vorstellung von einem Büro hervor und den Gedanken an Arbeit und vielleicht auch Stress. Zu persönlichen Gegenständen, sei es ein Bild, ein Musikinstrument oder der abgefallene Knopf eines Hemdes, haben wir ohnehin eine starke Bindung, die positive oder negative Gefühle und aber auch Räume aller Art schaffen können. Die These, dass wir mit Gegenständen Räume assoziieren können, lässt sich daher in Bezug auf ausgewählte Gegenstände verifizieren.

 

Studentenwohnheime bilden ein spannendes Forschungsfeld für Ethnologen, da sie aus vereinheitlichten, aber vielfältig gestalteten Räumen bestehen. Eine Untersuchung, die den sozialen Aspekt des Miteinanders stärker durchleuchten würde, könnte sich der rein wohnkulturellen Untersuchung anschließen.


Literaturhinweise

 

Depner, Anamaria: Wie der spatial turn Einzug ins Wohnzimmer erhält. Theoretische Überlegungen zur Konstruktion und materiellen Verankerung von Wohnräumen, in: Manfred Pfaffenthaler (u.a.) (Hrsg.): Räume und Dinge. Kulturwissenschaftliche Perspektiven, Bielefeld 2014, S. 283-298.


Kohl, Karl-Heinz: Ethnologie – die Wissenschaft vom kulturell Fremden. Eine Einführung, München ²2000.


Flade, Antje: Wohnen. Psychologisch betrachtet, Bern ²2006.