BEWUSSTES WOHNEN

Ab heut nur noch die wichtigen Dinge?

 

„Du siehst dich um in deiner Wohnung, ein Kabinett aus Sinnlosigkeiten. Siehst das Ergebnis von kaufen und kaufen von Dingen, von denen man denkt man würde sie irgendwann brauchen.“ (Silbermond, „Leichtes Gepäck" Veröffentlichung 2015). Wenn die Mainstream Popband Silbermond schon einen Songtext über die Thematik des bewussten Lebens im Sinne von Ausmisten, Konsumverzicht und Nachhaltigkeit schreibt, wissen wir dass es sich hierbei um keine Randerscheinungen unserer Zeit handelt. Die Minimalismusbewegung ist auf dem Vormarsch, Buchhandlungen sind voller Lektüre über das bewusste Wohnen, die Internetcommunity mit zahlreichen Bloggern tauscht sich aus und postet bis die Finger bluten. Meine Projektarbeit sollte sich auf Minimalismus und Nachhaltigkeit im Bereich des Wohnens beschränken. Jedoch ist dies nach ausreichender Recherche unmöglich. Es lässt sich nicht einfach auf das menschliche Grundbedürfnis nach einem „Dach über den Kopf“ beschränken. Viele Teilbereiche wie zum Beispiel vegane Ernährung, Umweltschutz und Konsumverzicht sind mit diesen neuen Lebensrichtungen gekoppelt. Ein wesentliches Merkmal dieser Untersuchung ist, dass es sich bei Minimalisten um Individuen handelt, die meist, außer vielleicht im Austausch mit anderen Bloggern, als Einzelpersonen und nicht in einer Gruppe agieren und die Transition Towns nur als Gemeinschaft tätig sind.

 


Interview Minimalismus

Im Dezember 2015 führte ich mit einer Japanerin, wohnhaft in Leipzig ein Interview über ihre minimalistisch gestaltete Wohnung.  Des Weiteren schickte Sie mir zwei Fotografien ihres Wohn- und Esszimmers.

 

 

Sarah: Hallo Frau...

 

Befragte: Guten Tag Frau Christener,...

 

S: Warum haben Sie sich für eine reduzierte Wohnungseinrichtung entschieden?

 

B: Ich fühle mich in einer, wie Sie es nannten, reduzierten Wohnungseinrichtung, einfach Zuhause. Für mich gab es diesbezüglich keine andere Wahl.

 

S: Also mit Wahl meinten Sie, dass Sie einfach daran schon gewöhnt sind und sich nicht mehr bewusst dafür entscheiden müssen?

  

B: Wissen Sie, ich lebte mit meinen Eltern auf dem Land in einem sehr geräumigen Haus in Japan. Obwohl wir dort viel Platz hatten, war es nie sehr zugestellt. Ich denke man richtet sich immer so ein, wie man es gewohnt ist. Als ich zum Arbeiten nach Tokyo zog und nur eine 20 m² große Wohnung bezog, musste ich meine kompletten Kostüme und Kleidung an Kleiderstangen einmal rund um die Wohnung platzieren. Für mich eine Katastrophe! Ich hielt mich nie länger als zum Schlafen oder zum Fertigmachen in meiner Wohnung auf.

  

S: In unseren vorherigen Telefongespräch erzählten Sie mir etwas über „Ma“. Ich habe vorher noch nie etwas über dieses Konzept gehört. Könnten Sie es mir, in Ihren eigenen Worten erläutern?

 

B: Mmh, „Ma“ begegnet einem in Japan nicht nur auf der Ebene des Wohnens. Im Prinzip ist es einfach, dass man sich auf das Wesentliche konzentrieren sollte. Also wir haben keine Angst davor, etwas nicht zu füllen. Es ist eher beabsichtigt. Der unbesetzte Raum, bietet einem neue Möglichkeiten. Raum für Neuerungen. Wenn ich das Gefühl habe, alles ist schon festgelegt, dann bleibe ich nicht im Fluss oder in meiner Entwicklung. Alles wäre schon festgesetzt. Es ist als ob man schon sein ganzes Leben geplant hätte und es genau nach Plan verläuft. Wo wäre da die Frische? Verstehen Sie was ich meine?

 

S: Ich empfinde dies als einen interessanten Grundgedanken. Also meinen Sie, dass ein voller Raum Sie zum Stillstand führt.

 

B: So extrem ist es nicht. Aber ungefähr. In Tokyo, musste ich immer aus meiner Wohnung raus. Hier in Deutschland, halte ich mich gerne in meiner Wohnung auf. Sie ist ordentlich. Ich habe zwei Kinder, ich brauche nicht lange um sie aufzuräumen und sauber zu halten.

 

Abends mache ich ein paar Körperübungen auf dem Boden vor der Couch, während mein Mann die Tagesschau schaut. Ich kann das einfach so gestalten wie ich will. Es ist genug Platz da. Raum zwischen den Dingen, schafft neue Ideen. Ich finde es auch einfach schön. Einfach und schön. Ich lege Wert auf gute Materialien. Wir haben einen Tischler für Schränke und Regale beauftragt, leider passten sie perfekt in unsere letzte Wohnung, hier nicht mehr so genau. Naja...

 

S: Wieso haben Sie nicht in herkömmlichen Geschäften Ihr Mobiliar gekauft?

  

B: Wir haben nicht nur maßangefertigte Möbel. Wir wollten gute Qualität und sind mit einem Tischler befreundet, so war es sehr naheliegend. Mir ist es wichtig, dass alles beständig ist. Aus beruflichen Gründen, ziehen wir viel um. Ich will nicht, dass die Möbel kaputt gehen und ich kauf auch nicht gerne immer wieder neue. Ich mag gerne gutes Holz, Leder nichts künstliches.

 

S: Auf Ihren Fotografien sieht man nur weiße Wände. Nur auf den Sideboard sind Bilderrahmen und Dekorationen sichtbar. Warum nur dort?

 

B: Wie schon gesagt, ich mag keinen unnötigen Schnickschnack. Auf dem Fernsehregal stehen Familienbilder und japanische Taufgeschenke meiner Kinder. Sie sind Glücksbringer. So halten wir das in Japan. Ein einziges Bild hängt in meiner Wohnung. Es ist ein Erstdruck eines bekannten Malers. Ein Erbstück meiner verstorbenen Mutter.

  

S: Dadurch geben Sie dem Bild eine besondere Bedeutung.

  

B: Ja, es ist mir sehr wichtig.

 

S: Vielen Dank für das Interview...

 

 

 


Fotografien Interviewpartnerin

 

Auf diesem querformatigen Bild sehen wir ein Wohnzimmer. Außer einem Ledersofa, einem Fernsehtisch und zwei Pflanzen befindet sich keine weiteren Möbelstücke im Raum. Auf dem Fernsehtisch stehen einige Bilderrahmen und asiatische Figuren. Die Wände und Gardinen sind in weiß gehalten. Und es hängen keine Bilder an der Wand. Ausgeschmückt wird der Raum durch die stuckverzierte Decke.

 

 Auf der zweiten Fotografie sehen wir denselben Raum wie auf der vorherigen Abbildung. Ein Esstisch aus Holz mit Karomuster wird ersichtlich. Auffällig ist, dass auf ihm keine Vase oder ähnliches steht. Ein Klavier wird rechts neben den Schreibtisch an die Wand platziert.

 

Die auf den Bildern abgelichtete Räumlichkeit ist sehr schlicht und gediegen eingerichtet. Es befinden sich keine aufgehängten Bilder oder Farbakzente an den Wänden. Auffallend ist auch, dass es keine Sofakissen, kein Teppich oder ähnliches im Raum befindet, was viele Menschen normal als ‚Gemütlichmacher‘ in ihrer Wohnung verwenden. Der Raum erinnert für mich an eine Bahnhofshalle, indem man sich nicht für zu lange aufhalten will. Das Mobiliar wirkt an die Wände gedrängt, so dass in der Mitte ein freier Raum entsteht. Wobei die Wände, obwohl es an Dekorationen fehlt, komplett genutzt werden. Der Raum wirkt nicht harmonisch gestaltet, sondern eher unruhig auf mich. Grund hierfür ist die Verdrängung der Möbelstücke an die Wand. Im Interview erwähnte die Befragte, dass sie die vollgestellten Wände in Tokyo störten. Diese Räumlichkeit ist ähnlich gestaltet. Wobei sich die Interviewpartnerin in diesem gerne über den Tag verteilt aufhält und ihr früheres Appartment so schnell wie möglich verließ. Somit sind ihre Aussagen widersprüchlich.


Minimalismus-Blogs

Es existieren im Internet viele internationale wie auch deutsche Blogs, die sich mit der Thematik des Minimalismus auseinandersetzen. Im Folgendem werde ich einige von ihnen beschreiben, analysieren und miteinander vergleichen.

 

 

 

Der erste Blog mit dem ich mich beschäftigen werde ist http://mrminimalist.com/. Der Blog ist sehr einfach gestaltet und man kann zwischen vier Rubriken „HOME“, „NEU HIER?“, „AUTOR UND BLOG“ und „KONTAKT“ wählen. Ich lasse mich auf die Rubrik „NEU HIER?“ ein und werde vom Blogger auf die verschieden Themenfelder seines Blogs eingestimmt. Er empfiehlt zu Beginn seiner „Blogtour“ erst einmal die zehn beliebtesten Artikel zu lesen. Dann sollte man sich auf das Grundthema seines Blogs, den Minimalismus einlassen und einfach einen beliebigen Artikel aussuchen. Die verschiedenen Artikelvorschläge sind untergliedert in „Minimalismus allgemein“, „Minimalismus: Die Philosophie“, „Interviews und Gastbeiträge“ und „Medienberichte“. Im Artikel „Minimalismus“ verweist der Blogger darauf, dass es ihm nicht um Kunst, Architektur oder Musik geht, sondern „um die Lebensart des einfachen Lebens“. „Ich bin Minimalist geworden, um mich auf das wirklich Wichtige in meinem Leben zu konzentrieren. Um meine Zeit in meine Leidenschaften zu stecken, meine Träume zu verwirklichen und etwas zurückzugeben an die Menschen, die mir wichtig sind.“

Als der 25 Jährige männliche Blogger, namens Sebastian, sich im Jahre 2011 ausführlich mit der Thematik des Minimalismus beschäftigte, kam es ihm nach eigenen Aussagen so vor, als ginge es nur um Aufräumen und einer Verringerung der Wohnungseinrichtung. Doch nach längerer Zeit, erkannte er durch diverse Blogs und Ratgeber die Philosophie des minimalistischen Lebensstil, nämlich „der Wunsch nach mehr, nach tieferem Bewusstsein.“ In seinem Artikel „Minimalistischer Lebensraum“ gibt der Autor Tipps wie er angefangen hat sein 12 m2 Zimmer zu entrümpeln. Er ist der Meinung, dass sein Inneres mit der äußeren Umgebung im Einklang stehen müsse: „Das Innere und das Äußere ähneln sich nach einer Zeit immer mehr. In meinen Augen ist ein aufgeräumter, klar definierter Raum die beste Keimzelle eines aufgeräumten, geordneten Kopfes und Geistes. Und anders herum.“ Er selbst hat den Vorgang des Entrümpelns nie bereut. Weitere Auffälligkeiten seines Blogs waren, dass er beispielsweise in seinem Artikel „Die wichtige Wahrheit über Minimalismus“ sich dagegen wehrt, dass man nur ein Minimalist ist, wenn man weniger als 50 beziehungsweise 100 Besitztümer sein Eigen nennt. Deshalb sind ihm zwei wesentliche Gesichtspunkte zum Thema Minimalismus wichtig. Die erste Anmerkung seinerseits ist, dass man eine minimalistische Lebensführung nicht anhand der „Zahl an Dingen, die man besitzt“ festmachen kann. Und zweitens, dass es nicht nur um bloßes „Wegwerfen & Aufräumen” geht. Dennoch ist das Ordnen und Aufräumen der erste wichtige Schritt um die „neuen Ressourcen“ wie Raum und Zeit positiv nutzen zu können.

 

 

 

 

Der nächste Blog, den ich untersucht habe, nennt sich http://minimalisch.de/. Bloggerin ist die 29 Jährige Silke, die in ihrer Wahlheimat Bayern lebt. Besonders auffällig an diesem Blog ist, dass Silke in ihrem Blog besonderen Wert darauf legt, Nachhaltigkeit mit dem minimalistischen Lebensgefühl zu verbinden. Diesbezüglich veröffentlichte sie auch ein Interview, dass sie mit drei anderen Minimalismus-Bloggern geführt hat. Dieses werde ich nachdem ich Silkes Blog vorgestellt habe, auch in Kurzform wiedergeben und analysieren. Der Blog nennt sich „Minimalisch-MORE MONEY FOR ADVENTURES“. Der Titel bezieht sich auch auf Silkes Sparsinn. Sie möchte zeigen, „wie du besser mit deinem Geld auskommst und am Ende des Monats mehr übrig hast um die Welt zu entdecken. Du musst auf nichts verzichten.“ Angefangen hat ihr ‚Sinn nach Minimalismus‘, als sie merkte, dass ihre Besitztümer in ihrer WG für sie überflüssig wurden, da sie häufig bei ihrem Freund übernachtete und nur ihre Bücher für die Universität und Kleidungsstücke dabei hatte und ihr nichts anderes fehlte. So entschied sich die Bloggerin und ihre anderen Mitbewohner in eine neue kleinere Wohnung zu ziehen und die Wohnungseinrichtung zu minimieren. Von ihren verkauften Möbelstücken finanzierten sie sich ein neues Sofa und den Umzug. Nach einem Jahr mistete die WG nochmals ihren Hausbestand aus und verkauften ihn auf einen Trödelmarkt. Von dem erzielten Erlös flogen sie nach Irland. Die zweite Umstrukturierung ihrer Wohnung war sehr wahrscheinlich die Inspiration für den Titel des Blogs „MORE MONEY FOR ADVENTURES“, wobei dies keine eindeutige Erwähnung im Blog findet. Nach dieser Irlandreise hat sich die Wohngemeinschaft ein neues Ziel gesetzt. Sie wollen ihren Hausrat soweit reduzieren, dass sie „bald nur noch so viel besitzen, dass es in unseren kleinen Twingo passt. Davon sind wir aber noch weit entfernt.“ Fraglich hierbei ist, wie viele Mitbewohner Silke hat und ob die Wohnung teilweise möbliert gemietet wurde. Es ist sehr schwierig vorstellbar wie sie diesem Wunsch nachgehen wollen. Leider erhalten wir keine Möglichkeit die Entwicklung der Wohnsituation von Silke anhand von Fotografien nachvollziehen zu können. Der Blog bietet viele Artikel über die Thematik der Nachhaltigkeit. Durch das ständige Aussortieren und Ausmisten, hat Silke angefangen, sich mit ihrem eigenen Konsumverhalten auseinanderzusetzen. Sie will sich auf wesentliche Dinge konzentrieren. Das bedeutet für sie ihre Gesundheit und die Umwelt. Der Blog bietet Anleitungen zur eigenen Herstellung von Deodorants oder ähnlichem. Mit diesen eigenen Produkten versucht die Bloggerin ein nachhaltig bewussteres Leben zu führen. „Ich irre nicht mehr durch die Gegend und kaufe einfach Produkte, weil sie hübsch aussehen, gut riechen oder gerade ‚in‘ sind. Zeit, die ich früher mit Einkaufen oder Aufräumen verbracht habe, kann ich jetzt nutzen, um eigene Produkte herzustellen oder Projekte zum Umweltschutz zu planen. Minimalismus hat mein Leben definitiv positiv verändert.“ Für Silke ist der Austausch mit anderen selbsternannten Minimalisten wichtig, deshalb lädt sie Zitate von anderen Bloggern hoch und kommentiert sie. Wie wichtig ihr diese Auseinandersetzung ist, wird daran deutlich, dass sie drei von ihnen, um die Beantwortung von elf Fragen gebeten hat. Die erste Frage der Bloggerin ist, warum sie sich selbst als Minimalisten bezeichnen. Tanja, die Artikel zum Thema Minimalismus auf https://minimamuse.wordpress.com/ veröffentlicht, antwortet darauf folgendes „Schon als Kind empfand ich Besitz als Belastung und habe Dinge verschenkt oder verschwendet, um sie loszuwerden. Heute weiß ich: Ich bin hochsensibel und reduziere von mir aus alles, was mir zu viel wird.“ Auffällig hierbei ist, dass sie schon den Drang einer minimalistischen Lebensführung in ihrer Kindheit empfand. Auf die Frage inwieweit Umweltschutz und Minimalismus zusammengehören, antwortet Marc, der sich schon seit seiner Kindheit mit Umweltschutz beschäftigt und seit zwei Jahren ein intensives Interesse am Minimalismus gefunden hat, „Alles hängt doch irgendwie miteinander zusammen. Wenn jeder Mensch nur die Dinge kaufen und konsumieren würde, die er tatsächlich benötigt, wertschätzt und ständig benutzt, würde der Raubbau an unserem Planeten langsamer voranschreiten. Minimalismus empfinde ich im jetzigen Stadium als äußerst erholsam, nachdem ich viele Entscheidungen getroffen und sehr viel daraus profitiert habe. Unsere Erde könnte erst recht eine Erholung gebrauchen. Davon würde ebenfalls der Mensch profitieren.“ Silke kommentiert die Antworten ihres Interviews direkt im Anschluss selber. Zur eben genannten Frage lautet ihr Kommentar „Offenbar besteht da schon irgendwie ein Zusammenhang zwischen Minimalismus und Umweltschutz. Ob das nun aktiv oder eher als Nebeneffekt zustande kommt, ist eigentlich egal. Jedenfalls hast du als Minimalist tolle Möglichkeiten die Umwelt nachhaltig zu schützen. Wenn du dein Umweltbewusstsein ein wenig schärfst, fallen dir sicher eine Menge toller Dinge ein, die sowohl deinem Leben als Minimalist als auch der Umwelt gut tun.“

 

 

 

 

Der letzte Blog auf den ich ausführlicher eingehen möchte nennt sich http://12qm-freiheit.de/. Blogger ist der 35- jährige Torben der in einem Bauwagen lebt. Leider hat Torben keine Fotografien über seinen Bauwagen hochgeladen. Torben erklärt den Begriff Minimalismus in seinem Blog ausführlich und versucht erkenntlich zu machen warum man minimalistisch leben sollte. „Minimalismus bedeutet Fokus. Fokus auf die Funktion, den Kern oder den Zweck. Schmuck und Dekoration spielen im Minimalismus keine Rolle. Stattdessen besticht der Minimalismus durch die Eleganz seiner Ausführung, welche seine eigene Schönheit ausmacht.“ Minimalismus hilft seiner Ansicht nach sich von seinen Ängsten zu befreien und sein Leben in „maximal denkbarer Zufriedenheit zu leben“. Anhand eines Beispiels zeigt er, wie man seine Verlustängste abbauen kann. Jemand besitzt einen Lieblingssessel, der bei jedem Umzug in eine neue Wohnung mitgenommen wird. Nach Meinung des Bloggers sei eine Auswanderung für diese Person sehr unwahrscheinlich, da der Sessel nicht mitgenommen werden kann. Es wird nicht genau ersichtlich, warum der Sessel nicht mitgenommen werden kann. Geht der Blogger davon aus, dass man für eine Auswanderung nur über ein geringes Budget verfügt oder ausgeben will? Für Torben wirkt ein solches Gut wie „eine Kette mit Eisenkugel am Bein des Besitzers. Er ist unfrei. Wer loslässt, gewinnt Freiheit.“ Stichwort für ihn ist das Loslassen, sei es im materiellen wie auch im emotionalen Bereich. „Wer materiellen Dingen weniger oder keinen Wert beimisst, macht sich keine Sorgen darum, sie zu verlieren, baut also Ängste ab.“ Besonders wichtig für den Blogger war, einen für sich geeigneten Lebensraum zu finden. Darauf bezieht sich auch der Name des Blogs, nämlich die 12 m² seines Bauwagens. Seit diesem Einzug hat er angefangen zu bloggen. Einfach hat sich die Suche nach einem für ihn passenden Wohnraum nicht gestaltet, da er keine Idee hatte wie dieser Ort auszusehen habe. Eine Freundin machte ihn mit Heike bekannt, diese bewirtschaftet einen Bauernhof in Velbert-Nierenhof. Auf diesem Hofanwesen fand er einen alten Bauwagen. Dieser wurde an das Stromnetz angeschlossen und seitdem lebt Torben in diesem. Da der Blog erst in den letzten vergangenen Monaten entstanden ist, hat er noch nicht viele Artikel veröffentlicht. Dennoch fällt auf, dass ihm besonders drei wichtige Themengebiete wichtig sind, dass sind zum einen kleine, außergewöhnliche Wohnräume und zum anderen Minimalismus und Nachhaltigkeit. Auffallend ist, dass sich seine Artikel besonders mit speziellen Wohnräumen beschäftigen wie „Wohnen im Seecontainer“, „Wohnen im Baumhaus“, „Just a tiny home...“. Doch sein besonderes Interesse gilt alten Eisenbahnwaggons. Der Reiz liegt für ihn hierbei, dass die eigentlich schrottreifen Waggons, neu bearbeitet werden, nämlich zu gemütlichen und erlebnisreichen Hotelzimmern. Anhand dieses Artikels wird deutlich, inwiefern ein minimalistischer Wohnraum mit einem bewussten Streben nach Nachhaltigkeit einher gehen kann.

 

 

 

 

Für alle drei Blogger bedeutet Minimalismus mehr als einfach nur seine Wohnung zu entrümpeln und Platz zu schaffen. Sie haben sich zum Ziel gesetzt neue Freiräume zu gestalten: In ihrem Kopf wie auch in ihrer Umgebung. Für sie ist es eine Lebensweise, die ihre Konzentration vom wahllosen Konsum auf das für sie Wesentliche lenkt. Der Blogger von http://mrminimalist.com/ lenkt seine Konzentration seither mehr auf zwischenmenschliche Beziehungen. Silkes Augenmerk liegt bewusst auf ihren Reisen und dafür will sie ihre Zeit und auch ihr Geld ausgeben. Der letzte von mir vorgestellte Blogger, hat sich seinen Wunsch nach einem nachhaltig geführten Leben ermöglicht, indem er jetzt in einem alten Bauwagen lebt. Dieser hätte wahrscheinlich noch über die nächsten Jahre nutzlos im Hof gestanden und wäre verrostet. Für Silke und Sebastian ist der Austausch mit anderen Minimalisten von größter Bedeutung. Sie kommentieren, laden zum Gespräch auf der eigenen Seite ein, und geben auch gerne zu, inwiefern sie andere Blogger oder Buchautoren zum Minimalismus geführt haben. Torben hat keinen öffentlichen Kontakt zu anderen selbsternannten Minimalisten. Bei ihm ist hingegen zu sehen, dass er sich über alternative Wohnräume informiert und sich mit diesen auf seinen Blog auseinandersetzt. Er fungiert mehr als Beobachter und postet seine neuen Erfahrungen mit lehrreichen Tipps zur Gestaltung, Planung und Finanzierung solcher Wohnprojekte. Die Blogs von Silke und Torben setzen sich konsequenter mit der Thematik der Nachhaltigkeit auseinander. Silke experimentiert mit Rezepten und schreibt Artikel über ihre Erfahrungen mit den selbst hergestellten umweltfreundlichen Produkten. Nachhaltige Bautipps postet Torben. Weitere Ähnlichkeiten der drei verschiedenen Blogs sind, dass alle drei Blogger sich in einer aufklärenden und anleitenden Funktion befinden. Sie wollen den Minimalismus erklären, über Missverständnisse aufklären und andere Menschen überzeugen, warum diese Lebensweise, die Richtige für eine aufgeschlossene, aufgeklärte und reflektierte Gesellschaft ist. Alle vorgestellten Blogger berichten auch, dass sie über mehr Elan und mehr Lebensfreude verfügen, seitdem sie den Minimalismus für sich entdeckten.

 

 

 

 

Da ich im vergangenen Semester ein Referat zum Thema dieses Projektberichts gehalten habe, sind mir einige Auffälligkeiten zu diversen Blogs aufgefallen. Einige Schwerpunkte von Minimalismus-Bloggern sind mir häufig begegnet. Oft wurde das Thema Vegetarismus und Veganismus aufgegriffen. Der Umweltschutzgedanke spielt in vielen Artikeln eine Rolle. Viele Blogger wollen Missverständnisse in Bezug auf Minimalismus aufklären. Auffällig war auch, dass die Kontrolle der Autoren auf fast alle Lebensbereiche übergriff. Des Weiteren folgten viele Verfasser dem minimalistischen Lebensstil aufgrund des Wunsches nach einem Wandel in ihrem bisherigen Leben. Deshalb werde ich folgende Blogs wie http://www.minimalismus-leben.de/, http://www.schlichtheit.com/, http://www.schwingelschwingeldingdong.com/, http://www.einfachbewusst.de/, http://www.mamadenkt.de/, https://minimamuse.wordpress.com/, http://www.der-zyklop.de/, http://www.schaumimohr.de/, http://minimalismus21.de/, http://mymonk.de/ daraufhin untersuchen.

 

 

 

 

Von 13 Minimalismus-Blogs thematisieren acht den Vegetarismus und Veganismus. Der Umweltschutzgedanke wird in neun von ihnen des Öfteren aufgegriffen, wobei manche von ihnen sogar eine eigene Kategorie zum Thema der Nachhaltigkeit aufweisen. Die Aufklärung von Missverständnissen in Bezug auf Minimalismus betreiben acht von ihnen. Sie wollen dem gegenwärtigen Vorurteil, dass man nur Minimalist ist, wenn man weniger Güter als beispielsweise 100 besitzt, entgegenwirken. Dies hat besonderen Bezug zur "100 Thing Challenge" (http://content.time.com/time/magazine/article/0,9171,1812048,00.html) die sich zum Ziel gesetzt hat, dass die Teilnehmer versuchen ihr Hausbestand auf 100 Gegenstände zu minimieren. Sie wurde aber von vielen Bloggern negativ kritisiert. Zehn von den 13 untersuchten Bloggern kontrollieren nicht nur ihren minimalistischen Wohnraum, sondern führen ein bewusstes Leben, in allen für den Mensch erheblichen Bereichen. Acht Blogs beschreiben, dass sie sich aufgrund eines gewünschten Lebenswandels mit der Thematik des Minimalismus beschäftigen.

 

 

 

 

Obwohl sich viele Minimalisten gegen das wahllose Konsumieren wehren und ein Gegenmodell zu diesem schaffen wollen, frage ich mich, wo denn die ganzen Minimalimus-Ratgeber, die auf vielen der Blogs angepriesen werden, in den minimalistisch gestalteten Wohnungen aufbewahrt werden. Werden sie nur in elektronischer Form gekauft oder direkt weiterverkauft. Diese Frage kommt mir in den Sinn, da eine Autorin auf ihrem Blog http://malmini.de/ einen Kurs anbietet, wie man sinnvoll seinen Kleiderschrank entrümpelt und dennoch gut aussieht, indem sie einen berät seinen perfekten Stil zu finden. Sie selbst hat 80 % ihres Kleiderschranks aussortiert und ist nach eigenen Angaben Expertin auf diesem Gebiet. Der Kurs kostet 99 Euro und beinhaltet ein 30 minütiges Skype– oder Telefongespräch, Beantwortung jeglicher E-Mail-Fragen, diverse Arbeitsmaterialien, reger Austausch in einer geschlossenen Facebook-Gruppe und ein ,Halbzeit-Webinar´ („ Webinar ist ein Kunstwort aus „Web“ und „Seminar“. Ein ,Webinar´ ist also zunächst nichts anderes als ein Seminar, das komplett im Internet stattfindet.“) Zum Zeitpunkt meines Vortrags bot sie einige Kurse mehr an, die leider in ihrem Blog nun nicht mehr angeboten werden.

 

 

 

 


Interview Transition Town Gründer Saarbrücken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im April 2016 könnte ich mit dem Transition Town-Gründer Manuel ein Interview führen. Er ist 23 Jahre alt und studiert Geschichte und Mechatronik an der Universität des Saarlandes.

 

Sarah: Hallo Manuel...

 

Manuel: Hey Sarah...

 

S: Wie alt bist du und was machst du beruflich?

 

M: Ich bin 23 Jahre alt und studiere Geschichte und Mechatronik.

 

S: Sehr schön. Könntest du in eigenen Worten beschreiben, was Transition Town für dich bedeutet?

 

M: Eine Stadt im Wandel. Dies macht den größten Teil des Prozesses aus. Man will etwas bewirken, eine Stadt positiv verändern und aktiv mitgestalten.

 

S: Zu welchem Zweck?

 

M: Ich weiß nicht inwiefern du dich damit beschäftigt hast, hast du es?

 

S: Ja, weißt du doch. Nein, du bist jetzt an der Reihe.

 

M: Es hängt immer von den Mitgliedern ab. Wir sind eine sehr heterogene Gruppe, aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Jeder von uns hat eine andere Vorstellung von Transition Towns. Es gibt ein paar Gemeinsamkeiten, wie zum Beispiel die Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, was sehr wichtig ist, für mich. Der Umgang mit der Umwelt, mmh..., was denn noch, ah ja das aktive Mitgestalten, der Lernprozess und die Erfahrung, indem man, ja aktiv die Stadt umwandelt oder im Sinne der Natur mitgestaltet. Die eigene Erfahrungssammlung finde ich auch wichtig. Im Bereich Seminarveranstaltung, Seminarleitung und unterschiedliche Interessenpunkte wie zum Beispiel „Gardening“, regionale Bauernhöfe, Gemüseanbau. Man muss etwas selbst ausprobieren um herauszufinden, wie etwas funktioniert und Erfahrungen austauschen zu können. Der Erfahrene gibt sein Wissen an den Laien weiter. Dadurch wird auch die Gemeinschaft gestärkt.

 

S: Beschränkt Ihr eure Initiative nur auf den Raum Saarbrücken?

 

M: Ja, wir beschränken uns auf Saarbrücken.

 

S: Was sind eure genauen Pläne? Was wollt ihr und was habt ihr schon umgesetzt?

 

M: Jeder hat eine andere Vision. Wir arbeiten mit verschiedenen Initiativen und mit bestehenden Organisationen zusammen. Dies wollen wir auch ausdehnen. Es gibt Transition Towns in mehr als 50 Ländern. Jede von diesen versucht sich in ihrer Stadt anzupassen.

 

S: Um aber auf die eigentliche Frage wieder zurückzukommen. Was sind eure Pläne, wie weit seid ihr in der Umsetzung und welche finanziellen Mittel stehen euch zur Verfügung?

 

M: An erster Stelle steht finanzielle Unabhängigkeit, aber wir wollen nicht autark sein. Autarkie sollte meiner Meinung nach nicht das Ziel sein. Vielmehr sollte die Zusammenarbeit mit größeren Städten und anderen Initiativen im Fokus stehen. Ist aber nicht bei jeder Transition so. Kann variieren. Unsere Mittel sind insoweit beschränkt, dass jeder etwas dazubeiträgt. Jeder hat seine Skills, seinen Bekanntenkreis. Wir sammeln und organisieren. Letzte Woche zum Beispiel hatten wir eine Samenbörse. Wir tauschten verschiedene Samenkörner untereinander aus. Dazu wurde essen angeboten. Manche von uns sind Veganer. Also wir kochen auch sehr gerne vegan. Kennst du vielleicht „Pot luck“?

 

S: Leider, nein.

 

M: Also Vereine machen das auch. Man sammelt Essen, verteilt und verkauft es. Also jeder bringt etwas mit und es wird zusammen zubereitet oder es wird schon zubereitet mitgebracht. Die Samenbörse haben wir gestartet um Anbaumöglichkeiten zu besprechen. Wir wollen das Pflanzen wieder schätzen lernen. Als nächstes streben wir eine Verschenkbörse an. Wir wollen Dinge wieder verwerten und etwas gegen unsere heutige Wegwerfgesellschaft tun.

 

S: Aus wie vielen Leuten besteht eure Gruppe?

 

M: Im harten Kern bestehen wir aus zehn Leuten. Dann mal mehr und weniger. Je nachdem welche Aktionen wir gerade veranstalten. Wir beraten uns, wer welches Themengebiet veranstalten will, und helfen den für den Tag ausgewählten Leiter. Wie genau die Aktion auszusehen hat, bestimmt der jeweilige Berater selbst.

 

S: Was ist dein Lieblingsthema? Beziehungsweise für welches hast du dich spezialisiert?

 

M: Hängt davon ab. Durch unseren ständigen Austausch, erweitert sich mein Interessengebiet immer mehr. Ich habe immer neue Ideen für unsere Veranstaltungen.

 

S: Also ihr diskutiert, trifft euch und dadurch entstehen immer neue Ideen?

 

M: Ja genau. Wir wollen einfach zusammen etwas bewegen.

 

S: Wie kam es dazu, euch zusammenzuschließen? Und wie lange gibt es euch schon?

 

M: Seit letztem Sommer oder eher Winter. Ein Freund hat gerade ein Seminar zum Thema Permakultur absolviert. Er hatte Lust etwas zu starten, ich hatte Lust etwas zu starten und so hat sich es entwickelt. Er hat mir auch ein bisschen was von Rob Hopkins dem bekannten Permakulturwissenschaftler erzählt.

 

S: Habt ihr von ihm Bücher gelesen?

 

M: Ja, ich habe mir aber eher seine Vorträge online angeschaut. Ein paar Beiträge habe ich auch von ihm gelesen. Ich bin nicht mit allen einverstanden. Manche Dinge kritisiere ich. Aber größtenteils finde ich die Idee gut.

 

S: Was genau kritisierst du?

 

M: Das ginge jetzt zu weit. Es sind mehr Einzelheiten. Wenn ich das Buch vor mir hätte, könnte ich es dir zeigen.

 

S: Orientiert ihr euch an seinen Anleitungen und Ansätzen?

 

M: Herr Hopkins ist uns eher egal. Wir haben verschiedene Interessengebiete. Manche Leute sind eher praxisorientiert und manche eher theoretisch interessiert wie zum Beispiel die Thematik einer regionalen Währung. Man kann über jedes Thema fachsimplen. Wir haben gesagt, wir wollen lieber etwas umsetzen. Wir sehen uns weniger als Theoretiker wie Rob Hopkins. Wir sind noch immer in einem Selbstfindungsprozess. Nächste Sitzung wollen wir wieder über Transition reden und was das genau für uns bedeutet. Bis jetzt sind immer fünf neue Leute dabei, durch unsere Bekanntenkreise oder unsere Aktionen. Dadurch kommen immer neue Ideen und wir definieren Transition Town immer wieder neu. Was uns auch wichtig ist, ist das „Bottom-up“. Wir wollen eher eine Graswurzelbewegung sein, von unten nach oben. Wir wollen nicht warten, bis die Politik selbst was macht, und in ihre Richtung umsetzt. Also wir sind sehr pragmatisch.

 

S: Wie wirbt ihr für eure Aktionen? Wie macht ihr die Bevölkerung auf euch aufmerksam? Über Facebook oder ähnlichem?

 

M: Durch unsere Freundeskreise. Es sind eher alternative Leute. Wobei alternativ, ja auch schwer zu definieren ist. Also wir sind halt ein bisschen grüner eingestellt, auch umweltschonend und umweltschützend. Wir haben auch Gründe. Meistens haben wir dieselben Grundinteressen, dennoch kommen wir aus verschiedenen Schichten. Als wir uns zusammengetan haben, haben wir einfach schon bestehende, uns bekannte Organisationen angeschrieben, und gefragt, ob sie auf unsere Arbeit Lust haben. Im Saarland kennt man sich. Es ist so klein, es spricht sich schnell rum. Ja und so kamen mehrere zusammen. So um die zehn bis 15 Menschen. Manche sind auch abgesprungen, weil es ihnen zu praktisch war. Oder anderen zu theoretisch. Muss ja jeder selber wissen.

 

S: Wollt ihr mehr Menschen erreichen?

 

M: Ein Ziel wäre es, dass jede Stadt ein Transition Town gründet. Natürlich wollen wir mehr Zuwachs und Beteiligung. Aktive Beteiligung ist eine andere Frage. Man kann ja keinen dazu zwingen.

 

S: Momentan hört es sich so an, dass nur Leute bei euch mitmachen, die von vornherein umweltbewusst waren oder sind.

 

M: Nee, nicht unbedingt.

 

S: Hast du schon mal ein Seminar/Workshop geleitet?

 

M: Nein, noch nicht für Transition Towns.

 

S: Naja gut, ihr seid ja noch frisch...

 

M: Im Winter haben wir ja zuerst Ideen gesammelt und uns definiert.

 

S: Ihr habt also versucht euch zu definieren.

 

M: Ja genau. Es gibt verschiedene Möglichkeiten wie man das machen kann. Wir haben uns auf den „Drag and Dreaming“ Prozess festgelegt. Sagt dir wahrscheinlich was?

 

S: Nein.

 

M: „Drag and Dreaming“ bedeutet Drachen und Träumen. Das ist eine Möglichkeit, wie man in einer Gruppe zusammen Aktionen gestaltet oder eine Idee findet und umsetzt. Es gibt unterschiedliche Modelle, wie man das machen kann. Wir haben es mit dem „Drag and Dreaming“ gemacht. Es ist das Ziel, dass jeder mitgenommen wird und seine Ideen dazu beitragen kann. Niemand bleibt auf der Strecke und keiner sagt, das ist absolut nicht meine Idee. Neue Mitglieder haben das gleiche Recht. Jeder Zulauf, jeder Interessent bringt neue Ideen mit. Niemand muss unbedingt Mitglied werden.

 

S: Was sind deine persönlichen Gründe? Was ist deine Motivation?

 

M: Ich habe eine spezielle Sicht. Ich sehe mich selbst als Egoist. Ich sage, dass jeder gesunde Egoismus zum Altruismus führt. Somit ist Egoismus nicht schlecht. Ja, wenn es der Gesellschaft gut geht, geht es auch dem Individuum in der Gesellschaft gut. Man hat auch eine gewisse Verantwortung. Dieser Verantwortung kann man nachgehen, wenn man ein aktiver Bürger ist, der aktiv etwas zur Gesellschaft beiträgt. Man muss eine gewisse Richtung mitgestalten, die der Gesellschaft und einem selbst dient.

 

S: Was ist dir wichtig?

 

M: Gute Luftverhältnisse. Eher grüne Themen. Alternativfortbewegungsmittel. Weniger Verkehr und dafür mehr Fahrräder. Ich finde Fahrradproteste lustig. Das Fahrräder den gesamten Autoverkehr lahm legen können. Fahrräder haben genauso ein Recht auf der Straße zu fahren wie Autos. Wäre jetzt nicht die beste Aktion aber ein Beispiel hierfür. Nachhaltigkeit bedeutet einfach Rücksichtnahme in der Gesellschaft. Dauerkonsum ist auch für mich ein wichtiges zu beachtendes Problem. Wir leben in einer Konsumwelt. Wir müssen diesen einschränken, damit genügend Ressourcen für unsere Nachwelt vorhanden sind. Hört sich sehr idealistisch an, aber man sollte es versuchen. Bei Lebensmitteln wäre es schon von Vorteil, wenn man auf die Labels achten würde. Gerade bei Bioprodukten. Man kann ihnen zwar nicht ganz vertrauen, aber dennoch gibt es gravieren de Unterschiede. Ein bewusster Konsument hinterfragt ein Produkt und unterstützt die, die er für gut hält. Das ist die einzige Macht des Konsumenten. Das die Nachfrage das Angebot bestimmt. Natürlich ist es zu idealistisch, dass eine Gesellschaft nur von Bioprodukten lebt. Aber regionale, saisonale Produkte zu kaufen, ist auch ein guter Anfang. Diese sind auch nicht immer teuer.

 

S: Arbeitet ihr auch mit Bauernhöfen zusammen?

 

M: Ja, mit dem Stadtbauernhof. Man kann ein Gelände mieten und sein Gemüse selbst anpflanzen und züchten. Oder man zahlt einen Beitrag und bekommt jeden Monat einen Ertrag der Ernte mit nach Hause. Wir versuchen jetzt auch das „Urban Gardening“ umzusetzen.

 

S: Jetzt im Sommer?

 

M: Ja, es ist einer unserer Teilbereiche. Manche von uns arbeiten schon daran.

 

S: Welchen Stellenwert hat dieses Projekt für dich? Und warum machst du es?

 

M: Es zählt zu meinen Hobbys und ich beruhige damit mein schlechtes Gewissen. Ich bring mich einfach damit ein.

 

S: Danke für das Gespräch, Manuel.

 

M: Bitte gern geschehen...

 

 


Fazit

 

Eine nachhaltige und minimalistische Lebensführung entsteht nicht einfach von heute auf morgen. Es ist ein Prozess, den viele Blogger oder auch Nicht-Blogger durchleben. Viele der Autoren haben angegeben, dass sie interessehalber Blogs durchsucht haben, um Erfahrungen von anderen Mitmenschen zu lesen, wie sie mit ihrem neu gewonnenen Lebensglück umgehen. Was ihre Definition von Minimalismus ist, und ob eine Art von Dogma existiert, an das man sich halten muss, um ein echter „Minimalist“ zu werden. Dieses Vorurteil wurde aber nach meiner Recherche eindeutig widerlegt. Viele von ihnen, haben dieselben Ansätze, manche brauchen sehr klare Strukturen um ihr Leben so zu ordnen, dass sie sich frei fühlen. Andere sehen es gelassener. Die Themen weniger Stress und mehr Freiraum für das Wesentliche sind essentielle Inhalte dieser Minimalismusbewegung. Sie wollen Themenbereiche verknüpfen, sei es bewusst oder unbewusst; ob es nun um Ernährungsfragen, den Umweltschutzgedanken oder die eigene Kaufkraft geht.

Eine gewisse Verbissenheit ist schon erkenntlich, zum Beispiel bei dem Bauwagenbewohner Torben. Einerseits appelliert er an seine Leser, den Dingen weniger emotionalen oder materiellen Wert zu geben, andererseits gestaltet sich seine Suche nach einem geeigneten Wohnraum als besonders schwierig. Er selbst suchte nach einer für ihn passenden Unterkunft, die seine Ansprüche erfüllt. Somit hat er auch gewisse Anforderungen, die nur nicht konventioneller Natur sind. Dennoch misst er diesem Unterfangen viel Wert bei, was eigentlich zu seinen Aussagen im Blog in Widerspruch steht. Vielleicht möchte er sich mit seinem besonderen und mühsam gesuchten Heim als „Vorzeigeminimalist“ profilieren und verkennt dabei seine selbst ernannten Instruktionen.

Denn die Frage ist doch auch, inwieweit man wirklich frei ist, wenn der Minimalismusgedanke mit jedem Schritt einher geht. Der heutige Minimalismus lässt sich auch nicht einheitlich definieren. Jeder hat eine eigene Auffassung die sich an die Lebensbedürfnisse anpasst. Die Transition Towns definieren sich auch unterschiedlich, hierbei entscheidet die Gruppe und keine Einzelperson. Wie das Interview von Manuel gezeigt hat, ist dies kein leichtes Unterfangen, weil die Initiative versucht jedem gerecht zu werden.

Es lässt sich also nicht einfach sagen, was Transition oder Minimalismus bedeutet, die Bewegungen sind ständig im wandelnden Prozess. Man kann höchstens von bestimmten Themengebieten sprechen, die fast immer berücksichtigt werden.