IKEA und Apple

Apple und IKEA sind auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Unternehmen und vertreiben verschiedene Produkte. Um diese Produkte bestmöglich verkaufen zu können, ergreifen beide jedoch ähnliche Marketingstrategien. Die Ähnlichkeit wird von IKEA sogar ironisierend aufgegriffen. Um auf den neuen Ikea Katalog von 2015 aufmerksam zu machen, brachten Ikea Singapur ein Video heraus, was Apples Produktpräsentationen satirisch aufgreift.


IKEAs Video beginnt mit einem Mann vor neutralem Hintergrund und musikalischer Untermalung. Er beginnt mit den Worten: „Once in a while, something comes along, that chances the way we live [...].“ Kennt man den Titel des Videos nicht, wüsste man zunächst nicht, welchem Zweck das Video dient. Auf diese Weise wird die Neugierde beim Zuschauer geweckt. Bei Apple findet sich dieser Wortlaut: „We don’t want to make a new iPhone, we want to make a much better phone.“ Danach kommt der Katalog beziehungsweise das iPhone hinein geschwebt. Die Neuerungen der Produkte werden erläutert. Die Videos bedienen sich Formulierungen wie „completely redesigned“, „for the first time ever“, „feels familiar“ und „not even“. Sie stützen die Neuerungen und heben sie auf diese Weise hervor.

Der Katalog wird nun als Bookbook eingeführt. An dieser Stelle wird mit der Musik eine Betonung erzielt.

Im Folgenden wird auf die Vorteile, die das neue Bookbook mit sich bringt, eingegangen. Beispielsweise die "Tactile Touch Technology" und dass der Katalog mit aufgeladener Batterie geliefert wird, ein Ladekabel ist nicht von Nöten. An dieser Stelle entsteht ein ironischer Bruch. Es ist klar, dass das Buch analog ist und demnach keine Batterie besitzt und es nicht geladen werden kann. Die Einführung einer fiktiven Strategie, um das Bookbook bedienen zu können verweist auf Technologien, die in den Werbespots von Apple angepriesen werden. Mit dieser Technologie kann man als Kunde vorerst nichts anfangen, sie klingt aber gut und misst der Technologie eine größere Bedeutung bei.

Gleichzeitig mutet die Bedienungsanleitung für ein Buch, wie eine Kritik an der zunehmend technologisierten Gesellschaft an. Als könne man nur noch ein Tablet anstelle eines Buches bedienen.

Auffällig ist, dass beide Videos über äußere Faktoren wie Größe, unterschiedliche Technologien und ähnliches informiert, auf den Inhalt allerdings nur am Rande eingeht. Präsentation und Design sind dabei Alles. Bei der Präsentation des Bookbooks wird keinen Bezug zu den Produkten, die IKEA vertreibt, genommen. Die Strategie zielt stark auf den Appell an Emotionen ab. Apple und IKEA versetzen uns dabei wie Kinder ins Staunen.

 

Beabsichtigt ist, die technischen Informationen in den Hintergrund zu rücken und den Nutzen des Produktes auf einer sinnlichen Ebene für den Kunden spürbar zu machen. Geht diese Strategie auf, wird beim Kunde der Wunsch geweckt, das Produkt zu besitzen und zu erwerben. Um sich von anderen Mitproduzenten abheben zu können, ist es notwendig, sich durch emotionale Werte zu unterscheiden. Durch den Anspruch an die Emotion wird die Identifikation des Produktes zum Kunden gestärkt (Muth, Unternehmenskommunikation, S. 1-2).

IKEA parodiert diese Strategie von Apple, verfolgt sie jedoch genauso. Der Hauptunterschied zwischen Apple und IKEA liegt allerdings darin, dass IKEA sich nach außen selbstironisch und reflektiert gibt und damit die Sympathien bei den Kunden weckt. Apple dagegen möchte absolut ernst genommen werden und ist – zumindest in den Produktpräsentationen – in keiner Weise ironisch.

 

Beiden Unternehmen folgt eine loyale Anhängerschaft aus Kunden. Bei Apple bezeichnen sie sich selbst als Apple-Jünger, was einen starken religiösen Charakter hat. Im Falle von IKEA empfinden manche die Möbel als Trophäen. Der WDR führte zwei Markenchecks zum Thema Ikea durch und befragte Passanten zu ihrer Meinung. „Ich hab alles von Ikea“, erzählt ein Mann. Er scheint stolz auf seine Einrichtung zu sein, da er dadurch einer spezifischen Gruppe angehört.