Gründe und Motive für ein Leben mit IKEA-Möbeln

Fangen wir mit einer Wette an. Ich möchte wetten, dass die wenigsten Menschen, die diesen Text lesen dabei auf dem Boden sitzen. Falls Sie zu den Unglücklichen gehören rate ich Ihnen, sich aufzurappeln und einen Stuhl zwischen ihr Gesäß und den Boden zu schieben. Möbel besitzt in der heutigen Zeit immerhin so gut wie jeder. Zumindest im westlichen Kulturkreis ist es unvorstellbar, Menschen oder deren Besitztümer dauerhaft auf dem Boden zu platzieren.

Dem österreichischen Philosophen Walter Seitter zufolge handelt es sich bei unseren Möbeln um Medien, die zwischen uns und dem Boden vermitteln. [Seitter 2011.] Sie sollen den Boden dem Menschen näher bringen und als, an unseren Körper angepasste Fläche, besser nutzbar machen.

Die Funktion der Möbel erklärt aber noch nicht ihre vielfältige Erscheinungsform. Niemand würde behaupten, der berühmte Panton Chair des 1998 verstorbenen dänischen Designers Verner Panton sei optisch identisch mit dem Klassiker SVENBERTIL des schwedischen Möbelkonzern IKEA oder gar mit einem beliebigen Klappstuhl. Die Funktion bleibt die Gleiche: Eine horizontale Fläche auf Kniehöhe erlaubt es dem Besitzer, die Knie zu beugen und sich in bequemer Haltung einen halben Meter über dem Boden niederzulassen. Alleine das Design wechselt von Haus zu Haus, manchmal schon von Zimmer zu Zimmer. Jeder Wohnende hat seine eigene Art, das Medium Möbel auszusuchen, zu platzieren und zu nutzen. Die Auswahl an Materialien und Erscheinungsbildern ist enorm. Es gibt nicht mehr, wie etwa zur Zeit des Barocks oder der Renaissance, die eine Stilrichtung, die das Wohnen aller prägte. Nach welchen Kriterien suchen wir also heute unsere Einrichtung aus?

Der folgende Text beschäftigt sich mit der Auswahl und Nutzung von Möbeln aus dem Hause IKEA, da sie in fast jedem Haushalt zu finden sind, gleichzeitig aber die Art, sie zu nutzen und zu interpretieren stark variiert. Tatsächlich verkaufte IKEA im Jahr 2012 täglich 7,5 Millionen Möbel weltweit. [Anann, Brauck, Tiez 2012.] Der Umsatz ist in den letzten Jahren sogar gestiegen, und das, während die Preise, wie der WDR Markencheck vom 25.08.2014 zeigen konnte, seit 1993 stetig gefallen sind [WDR Montags-Check]. Mit 14 Prozent [www.statistica.com] war Deutschland maßgeblich am beträchtlichen Umsatz des Konzerns von circa 32 Milliarden Euro [Steingart 2015.] im Jahr 2015 beteiligt. Damit ist Deutschland der größte Abnehmer von BILLY und Co in ganz Europa. Schließlich, ist das entscheidende Argument dafür, das Einrichtungs-verhalten der Deutschen anhand ihrer IKEA-Möbel zu untersuchen: Erfahrungsgemäß findet sich in den Wohnungen oder Häusern der meisten Deutschen mindestens ein Möbelstück aus dem Hause IKEA.

 

Bei der Verbreitung des skandinavischen Designs in Deutschland hat IKEA seit der Eröffnung der ersten Filiale 1973 in Eching bei München eine Schlüsselrolle gespielt. [Vergleiche dazu Mellert 1997, S.6.] In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid aus dem Jahr 2004 gaben 70 Prozent der Befragten an, IKEA habe ihren Einrichtungsstil entscheidend beeinflusst. [Jungbluth 2008, S.175.]

In verschiedenen Interviews stellte sich heraus, dass es mindestens vier Typen von IKEA-Nutzern gibt, deren Stilempfinden einander jeweils ähnelt und die geradezu gruppenspezifische Motive zum Kauf von IKEA-Produkten verleiten: Die Gruppe der „Pragmatiker“, der „Bastler“, der „Übergangslöser“ und zuletzt der „IKEA-Fans“.

 

Die Gruppe der Pragmatiker definiert sich dadurch, dass sie nicht sonderlich am Aussehen ihrer Möbel interessiert ist, sondern nur an deren Gebrauch. So nannte der circa 50-Jährige P.S. als Grund, aus dem er sein Regal nicht mehr hergeben wolle: „Es hält jetzt schon seit dreißig Jahren. Die Dinger sind einfach nicht kaputtzukriegen“ und der Kaufgrund des Studenten T.L. lautet: „Is‘ günstig, funktional…“ worauf ein kurzes Ringen um Worte folgt, welches aber keine weiteren Gründe hervorbringt.

Das Billy-Regal ist das bevorzugte Möbelstück dieser Personengruppe, die Gründe für seinen Erwerb immer die gleichen: „Das ist einfach, man kann Einlegeböden kaufen und somit halt die Fläche vergrößern oder verkleinern wie man will“, fasst T.L. sehr passend zusammen. Dieses spezielle Möbelstück scheint allerdings so gut wie jeder Besitzer aus pragmatischen Gründen zu kaufen. Selbst kreative Bastler wie die Ärztin L.M. greifen zu BILLY, um beispielsweise Abstellräume einzurichten. Die Begründung „von der Flexibilität der Höhe und von der Montage das ich es selber montieren kann und auch von dem Farbton hab ich gleich gewusst, es soll BILLY sein“ ist der der „Pragmatiker“ ähnlich.

Die restlichen Möbel stammen oft aus einer einzigen Produktreihe des Einrichtungshauses, damit sich der Pragmatiker nicht selbst mit Innenarchitektur und Raumgestaltung auseinandersetzen muss, seine Einrichtung aber trotzdem stilvoll wirkt. Auf die Frage, warum er seine Einrichtung bei dem schwedischen Möbelhaus gekauft habe, antwortet Vorzeigepragmatiker T.L. „Ja weil sie alle zusammenpassen“ und spricht damit wohl allen Pragmatikern aus der Seele; Das Zusammensuchen der Einrichtung muss kein tagelanger Prozess mehr sein, sondern funktioniert, auf Wunsch, auch in einem Abwasch. Das macht uns IKEA, im Gegensatz zu Möbelhändlern mit vergleichbarem Preisniveau, sehr einfach. Schon auf der Internet-Verkaufsseite werden Möbel einer Serie auf Fotos als komplette Einrichtung präsentiert. Das gesamte Inventar einer Wohnung wird also nicht mehr handverlesen, sondern mit wenig Aufwand abgestellt. Somit ließe sich die Einrichtung der eigenen Wohnung mit dem Aufgießen einer Instantsuppe vergleichen; der Prozess ist abgekürzt auf wenige Handgriffe und spart so, ganz dem Zeitgeist gemäß, wertvolle Zeit. Vergleichbare Anbieter, beispielsweise der Möbeldiscounter Roller, lassen den Kunden für einen ähnlichen Preis eine Einrichtung ähnlicher Qualität aus einzelnen Möbelstücken zusammensuchen.

Lieblingsregal von P.S.

 

"Es hält jetzt schon seit dreißig Jahren. Die Dinger sind einfach nicht kaputtzukriegen"

Regal von T.L.

 

"Is' günstig, funktional..."

Ganz andere Motive haben die Bastler für den Kauf ihrer IKEA-Möbel. Diese Menschen lieben es, ihre Umgebung individuell auf ihre eigenen Bedürfnisse abzustimmen. Möbel werden nicht gekauft und abgestellt, sondern nach eigenen Wünschen bearbeitet und verziert. Dafür verwenden die Bastler häufig Möbel von IKEA, da diese als ersetzbar angesehen werden. Diese Austauschbarkeit sieht auch der Konzern selbst als eine seiner Stärken: ''When you think of your own life, there's a time for several different lifestyles. That old, traditional stuff is making us feel the other way, that things can't change, that taking responsibility for your things is more important than taking responsibility for your life. It's O.K. to replace them, to get rid of them. We don't think we're going to live one way always. Our feeling is: It's just furniture. Change it.'',[Leland 2008.] erklärt Josephine Rydberg-Dumont, Sortiment-Chefin des Konzerns, der New York Times in einem Interview im Dezember 2002. An diesem Konzept hat sich auch in den letzten Jahren nichts geändert

2010 redete der wohl prägnanteste Werbespot zum Thema Möbel als austauschbare Gegenstände den Amerikanern ins Gewissen. Wir sehen, untermalt von Klavierakkorden in Mol, eine IKEA-Lampe deren Stecker aus der Steckdose gezogen und die anschließend aus der Wohnung getragen wird. Im strömenden Regen steht sie neben einer Mülltonne, während im erleuchteten Fenster ihre ehemalige Besitzerin eine neue Lampe anschließt und sich, in deren heimelig anmutendes Licht getaucht, auf ein Sofa setzt. Abwechselnd werden Lampe und Fenster gefilmt und so die Lampe als Person inszeniert, die ihr altes Leben vermisst. Von der Musik über das Wetter bis zur Personalisierung ist alles darauf ausgelegt, den Zuschauer mit der Lampe mitfühlen zu lassen. Schließlich tritt ein Mann vor die Lampe, die Einstellung fokussiert sich auf ihn und er sagt mit schwedischem Akzent: „Many of you feel bad for this lamp“. An dieser Stelle wird ein ironischer Bruch erzeugt, als die traurige Musik abrupt abbricht und der Schwede weiterspricht: „that is because you’re crazy. It’s just a lamp. It has no feelings. And the new one is much better.“ [online unter URL [https://www.youtube.com/watch?v=HgXTRwN5hqQ]]

Die Gefahr die Möbel zu beschädigen ist für den Bastler, dank der Austauschbarkeit, des günstigen Preises und der leichten Materialien von IKEA-Möbeln kein Hindernis. Falls eine Bastelei nicht gelingt oder gefällt, kann das betreffende Möbelstück leicht aus der Wohnung getragen und ein neues gekauft werden. Aus diesem Grund hat der „Bastler“ S.V. als Grundgerüst für seinen selbst gebauten Rattenkäfig einen Schrank der Serie ANEBODA ausgesucht. Sein Partner S.T., ebenfalls ein ambitionierter Bastler, erklärt: „Der IKEA Schrank kost nit viel. Wenn der kaputt geht, kauf ich ihn nochmal“. Auch das geringe Gewicht spielt für die beiden eine gewisse Rolle, auch wenn bei S.V. eine gewisse Sehnsucht zu hören ist, als er sagt: „Früher mussten Möbel schwer sein. Früher hast du dich zu Tode geschleppt. Da warst du nach einer Etage völlig kaputt. Heut packst du dir zwei IKEA-Schränke unter den Arm und gehst.“

Oft zählen die abgewandelten Möbelstücke zu den Lieblingsstücken der Bastler und werden, nach dem Umbau, selbst teuren Vollholzmöbeln vorgezogen. Die Begründung ist meist eine emotionale Beziehung aufgrund der selbst verrichteten Arbeit. „Da steckt Herzblut drin“, bringt es S.V. auf den Punkt. Das hat auch der IKEA-Konzern erkannt und steigert den subjektiven Wert, den seine Möbel für ihre Besitzer haben, indem er sie ihre Möbel selbst zusammenschrauben lässt. Im WDR-Check ließen die Reporter zwanzig Frauen einer Bastelgruppe den Wert eines bereits zusammengebauten Nachttisches von IKEA zu notieren. Diejenige, die das höchst Gebot abgab, durfte den Tisch für den notierten Preis kaufen. Das höchste Gebot lag bei 29€, im Durchschnitt boten die Frauen 17€. In der zweiten Phase des Experimentes wurden 20 andere Frauen derselben Bastelgruppe zuerst angewiesen, die noch verpackten Tische aufzubauen. Danach sollte auch diese Gruppe, unter denselben Bedingungen wie die Erste, ihre Gebote abgeben. Das höchste Gebot in dieser Gruppe war mit 39,75€ mehr als ein Viertel höher. Durchschnittlich boten die Frauen dieser Gruppe 21€, also fast 20 Prozent mehr als diejenigen, die den Schrank schon fertig bekommen hatten.[WDR-Montagscheck.] Das Experiment zeigt, dass zumindest solche Frauen, die auch sonst eine Affinität zum Basteln zeigen, den Wert eines selbst zusammengebauten Möbelstücks im Durchschnitt höher bewerten als den eines fertig aufgebauten Möbels. Ob dieses Ergebnis für Menschen bestätigt würde, die keinen Spaß an handwerklichen Aktivitäten haben, bleibt zwar unklar, für die Gruppe der Bastler ist es aber durchaus aussagekräftig.

 

 

 

selbst gebauter Rattenkäfig aus IKEA-Schrank, Einlegeböden von Bauhaus und eingesetzten Metallgittern

 

 

"Der Schrank (in seiner ursprünglichen Form, Anm. A.S.) kost nit viel. Wenn der kaputt geht, kauf ich ihn nochmal"

 

 

"Im Internet gibt's da so wunderbare Bilder. Viele Leute haben diesen ANEBODA-Schrank von IKEA. Den kann man wunderbar umbauen"

 

 

"Der Schrank bleibt. Is' jetzt umgebaut, da steckt Arbeit drin."

Weit weniger Freude als die Bastler haben die Übergangsnutzer an ihren Möbeln von IKEA. So hat sich auch die frisch gebackene Diplom-Germanistin K.P. nur die Möbel gekauft, die sie „noch halbwegs erträglich“ finde. Wie viele andere Übergangslöser sah sie keine Möglichkeit, mit ihren finanziellen Mitteln andere Möbel zu erwerben. Oft entspricht ihr Einrichtungsstil nicht dem Geschmack der Käufer und soll bei nächster Gelegenheit entsorgt und ausgetauscht werden. Die junge Steuerfachangestellte B.M. beschreibt ihre IKEA-Möbel als „sehr kalt und steril. So abwaschbar“ und findet außerdem „IKEA sieht so einheitsmäßig und so wie ein Studentenwohnheim aus.“

Einige Menschen aus dieser Gruppe geben aber auch an, am generellen Stil der Möbel gefallen zu finden, mit der Qualität aber nicht zufrieden zu sein. Die circa fünfzigjährige Angestellte M.K. sagt dazu: „Wenn du ein junger Mensch bist ist IKEA ein absolutes Design, auch heute noch, (…) aber heute lege ich mehr Wert auf qualitativ hochwertigere Möbel und das bietet IKEA nicht“. Das Aussehen, vor allem der Billy-Regale, gefällt ihr auch heute noch, nur haltbarer sollten ihre Möbel sein. Trotzdem besitzt auch sie einige Möbelstücke von IKEA, die eines Tages ausgetauscht werden sollen.

Rüdiger Jungbluth sieht die Wurzeln des skandinavischen Stils, dem alle IKEA-Möbel entsprechen, in der „raue[n], bisweilen unwirtliche[n] Natur“ der skandinavischen Länder.[Jungbluth 2008, S.178.] In den langen, dunklen Wintern seien die Menschen gezwungen gewesen, mehr Zeit in ihren Häusern und Wohnungen zu verbringen. Dadurch sei der Einrichtungsstil nicht durch repräsentativ geschmückte und verschnörkelte Möbel bestimmt gewesen, wie es in den sonnigeren Ländern Europas der Fall gewesen sei, sondern durch funktionale Schlichtheit. Die klaren Linien und freundlichen Farben seien besser geeignet, das wenige Sonnenlicht einzufangen und so die Wohnung heller wirken zu lassen als der Möbelstil wärmerer europäischer Länder.[Jungbluth 2008, S.178] Vor allem im Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts, ungefähr zur gleichen Zeit, in der sich in den kälteren Regionen der skandinavische Stil durchsetzte, wirkten die schweren, wuchtigen Möbel der Gründerzeit mit ihren Polstern und dem dunklen Holz eher repräsentativ als gemütlich.[Vergleiche dazu Nipperdey 1990.]

Bei genauerem Nachfragen stellte sich zudem heraus, dass auch für diejenigen „Übergangslöser“, denen das skandinavische Design nicht gefällt, nicht ausschließlich der niedrige Preis ausschlaggebend für den Einkauf bei IKEA war. Dass IKEA nämlich die billigsten Möbel anbietet, ist nicht ganz richtig. Schauen wir uns die Internetseiten anderer Anbieter an, finden wir schnell Alternativen. Am schwedischen Design und dem IKEA-Preis orientieren sich inzwischen viele Möbelhäuser. So sieht das Regal ,Peggy 7‘ vom Möbeldiscounter Poco dem Billy-Regal zum Verwechseln ähnlich. Es ist zwar 20cm schmaler als der Klassiker von IKEA, allerdings auch 10€ billiger. Die Regalbretter des Schrankes von Poco sind allerdings fest installiert. Peggy 7 lässt sich also nicht so flexibel den Bedürfnissen der Nutzer anpassen. Auch im Bereich Betten gibt es einige Alternativen im Niedrigpreisbereich. Die Alternative zum Bettgestell BRUSALI für 123,-€ ist beispielsweise ein namenloses Bett aus der Möbelfundgrube für 129,-€. Auch diese beiden Betten sehen sich auffallend ähnlich. Allerdings ist das IKEA-Modell 40cm schmaler als das aus der Möbelfundgrube. Der Versandhandel OTTO orientiert seinen Raumteiler Benas optisch an dem KALLAX-System, laut IKEA dem Nachfolger der EXPEDIT-Serie. Benas lässt sich sogar durch passende bunte Körbe erweitern, allerdings ist IKEA auch bei diesem Modell der Konkurrenz einen Schritt voraus und bietet nicht nur Körbe, sondern auch Einsätze mit zwei integrierten Schubladen an. Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen und preislich sind andere Möbeldiscounter nicht teurer als die schwedische Konkurrenz. Sie verwenden die gleichen Materialien, meist Spanplatten und Plastik und orientieren sich auch optisch am IKEA-Design. Der größte Unterschied besteht aber darin, dass einige Möbel aus dem Hause IKEA flexibler in ihrem Aufbau und damit auch in ihrer Nutzung sind. Diese Flexibilität ist es auch, die die Gruppe der Übergangslöser häufig, natürlich trotzdem nur aus vorübergehende Lösung, zu Klapptischen oder BILLY-Regalen aus dem Hause IKEA greifen lässt. So auch die Steuerfachangestellte B.M., die einen einklappbaren Tisch und dazu passende Stühle als Küchenzeile nutzt: „Der Tisch ist klappbar und die Stühle sind klappbar, einfach um schnell durchzukommen und umzuräumen“. Zwar bezeichnete sie die Möbel im Interview immer noch als „Notlösung“, sagte aber auch, sie fände sie „nicht verkehrt“ und sie habe es nicht eilig, sie auszutauschen.

 

Küchenzeile von B.M. mit einklappbarem Tisch und Stühlen

 

 

 

 

 

"Der Tisch ist klappbar und die Stühle sind klappbar, einfach um schnell durchzukommen."

Zuletzt traf ich bei meinen Interviews auch Menschen, die sie als wahre IKEA-Fans bezeichnen lassen. Sie schätzen nicht nur die Produkte, sondern die ganze Atmosphäre des Möbelladens. Die Studentin J.G. zum Beispiel erzählt im Interview: „so drei, vier Mal im Jahr gehe ich schon hin und dann wird das ein ganzer Ausflug mit essen und so. Ich verbringe dann immer Stunden da drin.“ Auch wenn „IKEA-Fans“ kein neues Möbelstück brauchen, sind sie in dem Möbelgeschäft des Öfteren anzutreffen wie beispielsweise die Studentin A.T., die „mindestens einmal im Monat“ im städtischen IKEA vorbeischaut, „um Kakao zu trinken“. Falls sie aber doch mal einen Einrichtungsgegenstand austauschen wollen, egal ob Lampe, Schrank, Bett oder Regal, gibt es für die „Fans“ in der Regel keine Alternative zu dem schwedischen Möbelhaus. Darum besteht ihre Einrichtung zum größten Teil aus Produkten von IKEA, denn diese seien, mit den Worten von J.G. „in diesem Ikea Stil, Holz, hell und freundlich.“  Auch die Kurzlebigkeit der Produkte gilt unter „IKEA-Fans“ nicht immer als Nachteil, gibt sie ihnen doch des Öfteren die Gelegenheit, einen weiteren Tagesausflug in die Erlebniswelt IKEA zu unternehmen.

 

Wohnzimmer von J.G.; Alle Möbel stammen aus dem Einrichtungshaus IKEA

 

 

 

"In diesem IKEA-Stil, Holz, hell und freundlich"

Natürlich dürfen diese vier Gruppen nicht als absolut angesehen werden. Menschen sind vielschichtig und lassen sich nicht in enge Schubladen zwängen. So kann ein Bastler auch gleichzeitig ein Übergangsnutzer sein und ein Übergangsnutzer kann einen Besuch bei IKEA als angenehmen Tagesausflug empfinden. Dennoch bietet die Einteilung der Menschen in Gruppen einen Ansatz, die Welt zu ordnen und Verhalten besser zu verstehen. In diesem Fall zeigt die vorgenommene Einteilung die häufigsten Gründe für den Kauf von IKEA-Möbelstücken und bestimmt erkennt auch der eine oder andere Leser sich und seine Möbel in einer oder zweien der Gruppen wieder.

 

        Literatur:

 

-        Amann, Susanne, Markus Brauck und Janko Tietz: Die Welt-Raumausstatter, in: DER SPIEGEL 50/2012, online unter URL [http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-90086753.html] (12.04.2016).

 -      Jungbluth, Rüdiger: Die 11 Geheimnisse des IKEA-Erfolgs, Bergisch Gladbach, 2008 (2).

-        Mellert, Ilka: vom Elch zum Werkzeug, die Strategie von IKEA (Diplomarbeit 1997, Hamburg).

-        Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte1866-1918, Band 1 Arbeitswelt und Bürgergeist, München, 1990.

-        Seitter, Walter: Möbel als Medien: Prothesen, Passformen, Menschenbilder, in: Hackenschmidt, Sebastian, Engelhorn, Klaus (Hrsg.): Möbel als Medien – Beiträge zu einer Kulturgeschichte der Dinge, Bielefeld, 2011.

 

  Quellen:

 

-        K.A.: Ikea steigert Umsatz, Wachstum in fast allen Märkten, in: Gabor Steingart (Hrsg.): Handelsblatt 10.09.2015,  online unter URL [http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/ikea-steigert-umsatz-wachstum-in-fast-allen-maerkten/12304864.html] (12.04.2016).

-        Leland, John: How the Disposable Sofa Conquered America, in: The New York Times Magazine, New York, 2002, online unter URL [http://www.nytimes.com/2002/12/01/magazine/how-the-disposable-sofa-conquered-america.html?pagewanted=all], 14.04.2016 (09:15).

-        WDR Montags-Check: Der IKEA-Check, 2014, online unter URL[http://www.daserste.de/information/ratgeber-service/montagscheck/videos/filter-montagscheck-alle-videos-100~_seite-2.html], (12.04.2016).

-        www.youtube.de