Der Fernseher

Mit dem Einzug der Fernseher in die deutschen Haushalte in den 1960er-70er Jahren veränderte sich das klassische Wohnzimmer/der Salon einschneidend. Das Fernsehgerät respektive das Fernsehen an sich dominiert seither sehr oft die Tätigkeiten in diesem Raum. Natürlich finden neben dieser Beschäftigung auch noch weitere, Handlungen, wie Zeitung studieren, spielen, dösen, lesen etc. statt. Doch alleine die zentrale Anordnung des Geräts und das konkret darauf ausgerichtete Mobiliar verweisen auf eine enorme Bedeutung. Der Fernseher lädt zu gemütlichen Abenden auf der Couch ein, ist Unterhalter, Informant und verbreitet Geselligkeit. Eine meiner Fragen während der Interviews war, welcher Gegenstand im Wohnzimmer von der Gewichtung am bedeutendsten wäre. An erster Stelle kam das Sofa und an zweiter Stelle bereits der Fernseher.

 

„Der Fernseher ist mir schon auch wichtig. Zum Bügeln, Wäsche sortieren, aber vor allem wenn man entspannt auf dem Sofa liegen möchte oder mal krank ist. Aber vor allem meinem Mann. Er arbeitet den ganzen Tag und freut sich darauf, dass am Abend einfach mal der Fernseher angemacht werden kann. Ich persönlich finde ja, dass es überbewertet wird und eigentlich die Zeit besser genutzt werden könnte. Aber wir sind schon so daran gewöhnt. Es ist ganz komisch wenn wir mal bewusst nicht fernsehen.“    

 

In diesem Interview wurde sehr schnell klar, dass der Fernseher Teil der Erholung und Entspannung ist. Er trägt aktiv zur gemütlichen Atmosphäre bei und ist nicht mehr wegzudenken.

In einem weiteren Gespräch kristallisierte sich vor allem der Geselligkeitscharakter des TVs heraus.

 

„Wir nutzen unseren Fernseher mehr als wir wahrscheinlich sollten. Aber es ist so gemütlich, am Abend einfach mal abzuschalten und sich berieseln zu lassen. Und für DVD-Abende oder Fußballspiele schauen mit Freunden ist das super. Unser neues Modell ist so groß, dass es schwierig war ihn im Auto zu transportieren. Aber man fühlt sich so halt auch wie im Kino. Das ist schon toll. Und gemeinsam schauen ist einfach auch viel lustiger.“

 

Nicht nur der gesellige Charakter wurde hier beschrieben, sondern auch, dass das neue Gerät eine enorme Größe aufweist. Darin ist schon das repräsentative dieses Mediums versteckt. Denn Fernseher gibt es in allen Größen, Dicken, Schärfen und Preiskategorien. Je größer, desto teurer, desto höher ist der Wert. Umso wichtiger ist es, dass man sehen kann, dass dafür viel Geld ausgegeben wurde.  

 

„Wir haben uns so gestritten, als Holger für viertausend Euro einen neuen Flachbildfernseher gekauft hat! Der Alte war ja noch in Ordnung. Aber es war eben noch ein großer Röhrenfernseher, den mein Vater übrig hatte. Der war meinem Freund dann nicht cool genug. So ein Flachbild schaut schon auch ziemlich schick aus. Eigentlich wie ein Dekostück. Wenn unsere Freunde kommen, fällt ihnen der natürlich sofort auf.“

 

Wichtig war der Interviewpartnerin, dass der neue Fernseher Fremden sofort auffällt inklusive der Tatsache, dass er sehr teuer war. Hieran sieht man sehr gut, wie repräsentativ auch der Fernseher sein kann. Natürlich trifft das nicht auf jeden Fernseher und Haushalt zu, ist aber in meiner Forschung merklich hervorgetreten.