Das Bad - Von der Nasszelle bis zum Spa Zuhause - Kulturen des Waschens

Bea und Pauls Bad: Waschbecken, die Toilettentrennwand und das Fenster
Bea und Pauls Bad: Waschbecken, die Toilettentrennwand und das Fenster

Wie sehen unsere Bäder aus?

Und was bedeutet uns eigentlich Privatsphäre?

 

Ich durfte mehrere Personen Zuhause besuchen und deren Bäder genauer unter die Lupe nehmen. Fotos und Interviews dienten mir zur Auswertung meines folgenden Beitrags.

 

Die Frage nach der Privatsphäre im Badezimmer ist mit der jeweiligen kulturellen und zeitlichen Vorstellung von Hygiene und der Auseinandersetzung mit unserem Körper verbunden.

In den vergangen Jahrhunderten war unser Bedürfnis nach Privatsphäre in Bezug auf unsere Waschkultur im Wandel und die Umsetzung des Bedarfs finanziell oft nicht möglich. Der Wunsch nach privater Körperpflege wurde im Laufe der Zeit jedoch immer größer. Das Schamgefühl, welches seit der Frühen Neuzeit eine immer wichtigere Rolle spielt, ist mit Sicherheit ein ausschlaggebend dafür. Doch erst der wirtschaftliche Aufschwung und die damit verbundene Verbesserung der Lebensstandards in den letzten Jahrzehnten ermöglichte die Erfüllung dieses Bedürfnisses grundlegend.

Heutzutage ist es für uns völlig normal, dass wir in jeder noch so kleinen Wohnung ein Bad vorfinden. Wir erwarten eine Toilette und eine verschließbare Tür. Bei einem Besuch in fremden Refugien freut man sich, wenn die Toilette nicht ganz so nah am Geschehen ist. Denn die meisten von uns genieren sich für diverse Laute, die so manch einem auf dem Klo entfahren. Das Wort Privatsphäre wird hier bei vielen Menschen besonders groß geschrieben. Unter anderem auch für Bea, wie sie mir erzählt. Die Studentin und ihr Mann Paul, ein Arzt, legen besonders großen Wert auf ihre Privatsphäre im Badezimmer. Das WC am linken Ende des Raumes ist durch eine hervorstehende Mauer vom restlichen Bad abgetrennt. Falls die Tür versehentlich offen gelassen wurde, ist der Benutzer dennoch vor Blicken Vorbeilaufender geschützt. Etwas unverständlich ist dagegen das Fenster ohne Sichtschutz direkt daneben. Auf der Toilette sitzend ist es möglich dem Nachbar im Garten zuzuwinken. Bea möchte stets den morgendlichen Akt des Duschens, Make-Up Auftragens und des Frisierens im Alleingang vollziehen. „Es gibt Dinge, die hat er nicht zu sehen und davon sollte er auch nichts wissen [...]“ wie sie selbst erklärte. Ihr Mann hat währenddessen nichts im Bad zu suchen, vor allem dann nicht wenn sie sich den Damenbart wachst. Sie sei kein verklemmter Mensch. Sie hat als Krankenschwester einiges gesehen. Aber es gibt Sachen, für die sie sich schämen würde, wenn ihr Mann das sieht. Hygieneartikel wie Binden, Damenrasierer oder Faltencremes sind für Bea privat. In ihrem Badezimmer lässt sich kaum derartiges erkennen, nur vermuten. Eigens dafür steht eine kleine Kommode im Raum. Zusätzlich ist ein barock angehauchter Spiegelschrank über dem Waschbecken für die Unterbringung verschiedener Produkte zuständig. Oft werden solche Artikel vor den Blicken der Gäste versteckt. Dieser Fall tritt häufig in meinen Untersuchungen bei Personen mit entsprechendem Kleingeld oder älteren Generationen auf.

Wasch- und Ankleideraum von Frau Balzer
Wasch- und Ankleideraum von Frau Balzer

Ein interessantes Beispiel hierfür ist Familie Balzer. Die Pensionäre richteten zusätzlich zum Hauptbadezimmer einen Waschraum für die Dame des Hauses ein. Seitdem kann sie ihre Haftcreme und Nagelfeile auf der Ablage liegen lassen, ohne befürchten zu müssen, dass ein Gast sie entdeckt. Ausgestattet ist dieser Raum mit einem Waschbecken und Badezimmerschränken mit integriertem Spiegel. Hier befinden sich ihre Kosmetikartikel, Pflegeprodukte, Zahnbürste und eine Waschschüssel. Dieses Zimmer, ohne Toilette, muss nicht immer blitzblank sein. Dafür ist das sogenannte Vorzeigebad zuständig, welches auch für die Gäste bestimmt ist. Außerdem ist diese Lokalität gleichzeitig das Ankleidezimmer von Frau Balzer. In zwei Kleiderschränken befinden sich ihre Blusen, Hosen und sonstige Wäsche.Das Hauptbad ist im Erdgeschoss, welches vor einigen Jahren altersgerecht umgebaut wurde. Die Dusche wurde ebenerdig angebracht, um die Sturzgefahr zu reduzieren. Nun müssen sie kein Hindernis mehr überwinden um zu duschen. Die gesamte Abwasserleitung wurde in die Wand integriert. Somit ist von außen nichts mehr zu sehen, außer das aus den Kacheln hervorragende WC. Nur Gerätschaften von guter Qualität und modernem Design ließ das Paar einbauen. Alle Produkte für die tägliche Reinigung bleiben in Schränken verborgen. Außer Parfums und die Markenhandtücher stehen für jeden sichtbar im Regal.

Hauptbad des Ehepaares Balzer
Hauptbad des Ehepaares Balzer

Das dritte Bad befindet sich im Keller und wurde erst vor einigen Jahren zusätzlich gebaut. Den Trockenrraum ließen die Balzers umfunktionieren. Neue Wände wurden gezogen und ein ganz neues Bad  errichtet. Aufgrund der Lage ist hier kein Fenster zu finden. Stattdessen eine Belüftungsanlage. Durch die weiße Einrichting, wie Kacheln, Toilette und Spiegelschrank, wirkt das ganze Bad sehr steril. Unwillkürlich muss man an die WC's im Krankenhaus denken. Auch die Größe des Badezimmers verstärkt dieses Krankenhausfeeling. Trotz dessen wurde eine Badewanne, statt einer Dusche, eingebaut. Doch dieses Bad dient primär der Funktion. Ihre Kinder wohnen hunderte Kilometer entfernt. Wenn diese zu Besuch kommen, bleiben sie meist eine längere Zeit. Durch die Vielzahl der Bäder kann jeder ungestört sein morgendliches Ritual vollziehen. Ohne dabei auf die Uhr zuschauen, damit der nächste ins Bad kann. Jeder kann sich gemütlich morgens fertig machen und es entsteht kein Stau vorm WC. Außerdem wird das Kellerbad häufig von dem Ehepaar zum Duschen verwendet. Dadurch bleibt das Hauptbad verschont. Es bleibt länger sauber und wird weniger abgenutzt. Die Türen der Bäder oder Ankleideräume werden bei Familie Balzer grundsätzlich nach Eintritt abgesperrt. Gemeinsames Beisammen sein in sämtlichen Zimmern des Hauses gehört zum Alltag, nur nicht hier.

Im Bad alleine und für sich zu sein ist derzeitig für viele Menschen gewiss besonders wichtig. Das Badezimmer ist ein Ort, an dem man im wahrsten Sinne des Wortes die Hüllen fallen lassen kann. Man kann ganz man selbst sein. Gerade die hohen gesellschaftlichen Erwartungen an das Äußere, wie die geächtete Körperbehaarung bei Frauen, und Verdrängung menschlicher Prozesse, wie der Darmentleerung, lassen das Bad einen immer größeren Stellenwert in unserem Zuhause einnehmen. Sabine, eine Kellnerin, stellt eher eine Ausnahme dar. Sabine ist verheiratet. Doch lebt sie mit ihrem Ehemann in getrennten Wohnungen. Sich alleine und ungestört im Badezimmer aufzuhalten ist für sie von nicht besonderer Bedeutung. Sie lässt auch mal die Türe offen stehen, wenn sie das WC benutzt. Selbst bei Familienbesuch ist das kein Thema für sie. Es erscheint, als wäre das Badezimmer für sie eine Erweiterung des restlichen offenen Wohnbereichs wie Küche und Wohnzimmer. Grundsätzlich liegt ihr das Bad nicht am Herzen. Es ist keine spezielle Wohlfühlzone. „Mein Bad in der vorherigen Wohnung war zwei Quadratmeter. Das hat mich überhaupt nicht gestört. Jeder hat immer gesagt, da kann man sich doch nicht wohlfühlen kann. Doch! Ich brauch nicht mehr!“ Erzählte sie mir. Ihr Bad ist dennoch liebevoll eingerichtet und auch hier sind viele Produkte hinter verschlossenen Schränken.

Für Constantin, Angestellter einer Speditionsfirma, ist das Bad der wichtigste Rückzugsort. Seine Privatsphäre darin ist im heilig. Er erwartet von anderen, außer seiner Freundin, im Badezimmer nicht gestört zu werden. Innerhalb des Badezimmers fühlt er sich daher besonders frei, so dass er gerne laut singt oder mit sich selbst spricht. Trotzdem legt er keinen besonderen Wert auf die Einrichtung und Größe. Selbst der kaputte Klodeckel stört ihn nicht nennenswert. Falls die Pflanze in seinem Badezimmer daran zweifeln lässt, diese ist wegen seiner Katzen im Bad. Die würden sie sonst anfressen. Ansonsten ist das Bad sehr klein. Nur die nötigsten Artikel sind in einem Regal und in einem Badezimmerschrank verstaut. Die Dusche ist mit einem Vorhang ausgestattet. Die sanitären Anlagen stehen sehr dicht gedrängt.

Badezimmer von Mia und Sanja
Badezimmer von Mia und Sanja

In den Wohngemeinschaften der zwei Studentinnen, Mia und Sanja, und der zwei Studenten, Peter und Stefan, wird selten das Badezimmer verschlossen. Wenn die Tür zu ist und die Dusche ist zu hören, geht man zurück ins Zimmer. In dringenden Fällen wird geklopft. Zusammen im Bad hält man sich gelegentlich beim Styling auf. „Wenn ich mal Pinkeln muss und Sanja sich noch die Haare föhnt, ist das auch kein Problem. Doch gerade wenn ich unter der Dusche stehe, hätte ich ganz gern meine Ruhe. Wir haben ja auch kein Duschvorhang!“, antwortet Mia auf die Frage wie es um die Toilettennutzung steht. Mias und Sanjas Badezimmer ist sehr geräumig und hell. Hochwertige Armaturen und sanitäre Anlagen zeigen, dass hier etwas investiert wurde. Eine spezielle Heizung für Bäder wurde installiert. Handtücher lassen sich an dieser Heizung stapelweise gut trocknen. Die Höhe der Toiletten, die Größe der Badewanne und des Waschbeckens lassen darauf schließen, dass das Bad für eine sehr große Person bestimmt war. „Hier kann man zu dritt baden ohne sich dabei eingeengt zu fühlen!“, meint Mia als sie die Badewanne vorführt. Wie zuvor ist auch hier keine Dusche sondern eine Wanne angebracht, in der geduscht wird. In dieser Wohnung jedoch ohne Vorhang. Viele Dekoartikel, wie bhuddistische Statuen, wurden platziert, um eine persönliche Atmosphäre zu schaffen.

Bad von Stefan und Peter: Waschbecken
Bad von Stefan und Peter: Waschbecken

In dem Bad der WG von den zwei Studenten Stefan und Peter ist nur ein Stück Wand über der Wanne mit kleinen blauen Glassteinen beklebt. Sie schützt die tapezierte Wand vor Wasser. Der restliche Raum wurde von den Bewohnern in eine Unterwasserwelt verwandelt. Die Wände sind dunkelblau. Sie sollen das Meer darstellen. Schäumende Wellen, bunte Fische, kleine sandfarbene Inseln mit echten Muscheln, die darauf befestigt wurden, sind zu entdecken. Selbst der Toilettendeckel ist blau. Jedoch kann man hindurch sehen und erkennt Muscheln im Plastik. Das dunkle Bad ist aber eher eine Ausnahme. Meistens sind es helle Farben die in einem Badezimmer zum Vorschein kommen. Weiße, beige oder pastellfarbene Kacheln, manchmal marmoriert, sind die Regel. Ein Grund dafür ist mit Sicherheit auch die Maße der meisten Bäder. Besonders im Vergleich zu allen anderen Wohnräumen ist das Badezimmer oft klein. Dunkle Wände drücken den Raum. Sie würden noch kleiner erscheinen.

Das Bad der Studenten ist sehr geräumig. Es lässt sich sogar einen Wäscheständer benutzen ohne dass er im Weg steht. Man erkennt auf Anhieb, dass für die Auswahl des WC nicht tief in die Tasche gegriffen wurde. Ein einfacher außen befestigter Spülkasten und Armaturen. Die fehlenden Kacheln und der hinter den zwei Waschbecken stehende Spiegel lässt das Bad provisorisch eingerichtet erscheinen. Die unruhige Wandbemalung und die vielen abgestellten Dinge lässt vermuten, dass man hier wenig Zeit verbringt.


Interviews

 

 Fragen:

 

  1. Wie viel Zeit verbringen Sie durchschnittlich im Bad?

  2. Was dürfte in Ihrem Badezimmer, ausgenommen der Grundausstattung, nicht fehlen?

  3. Wie wichtig ist Ihnen ihre Privatsphäre im heimischen Badezimmer?

  4. Legen Sie besonderen Wert auf die Gestaltung Ihres Badezimmers?

Antworten:

  • Mia, Studentin, wohnt in einer WG in einer Mietswohnung:

  1. Hmmm...je nachdem wie viel Zeit ich habe. Wenn ich morgens ziemlich früh zur Uni muss nicht so lange. Aber ohne Druck vielleicht 30 oder 40 Minuten mit Duschen. Kommt auch drauf an, ob Sanja (Mitbewohnerin) gleichzeitig los muss. Zum Glück schminkt sie sich in der Küche.“

  2. Oje...ein Fenster! Gehört das zur Grundausstattung? Eigentlich nicht, wenn ich mir andere Wohnungen anschaue.“

  3. Sehr wichtig. Ich finds ganz schlimm, wenn Freundinnen fragen, ob wir uns gemeinsam fertig machen sollen, wenn wir abends ausgehen. Ich will meine Ruhe. Kann es nicht haben, wenn mir jemand beim Schminken zuschaut. Wenn ich mal Pinkeln muss und Sanja sich noch die Haare föhnt, ist das auch kein Problem. Doch gerade wenn ich unter der Dusche stehe, hätte ich ganz gern meine Ruhe. Wir haben ja auch kein Duschvorhang!“

  4. Ich würde die Wanne verkleinern. Hier kann man zu dritt baden ohne sich dabei eingeengt zu fühlen. Allein braucht man ne Stunde bis sie voll ist. Aber sonst...wie man sieht, hab ich ja einiges rein gepackt. Meine buddhistischen Figuren. Ich hab versucht, soweit es geht, alles in Kisten zu packen. Dann fliegt nicht alles rum. Es ist ordentlicher und fühlt sich wohler.“

  • Bea, Studentin, wohnt mit ihrem Mann in einem Haus:

  1. Unterschiedlich. Seit ich die zwei Hunde hab, weniger. Im Sommer geh ich sogar zwei Mal duschen. Aber durchschnittlich zwei Stunden.“

  2. Ein Föhn. Ich muss mir immer die Haare föhnen. Sonst sehen die komisch aus.“

  3. Bei anderen störts mich gar nicht. Ich bin nicht verklemmt oder so. Ich bin ja gelernte Krankenschwester. Da sieht man so einiges. Aber für manche Dinge würd ich mich schämen, wenn die jemand sieht.Gerade mein Mann. Es gibt Dinge, die hat er nicht zu sehen und davon sollte er auch nichts wissen. Wie zum Beispiel, dass ich mir den Damenbart wachse. Hab zwar nur helle Härchen...aber das ist mir unangenehm. Ich freu mich auch für eine kurze Zeit Ruhe. Ich kann gemütlich und entspannt Duschen oder auch

  4. Ich finde gerade einen klaren geradlinigen Stil im Bad sehr schön. Sonst mag ich es verspielt. Aber ich will nichts offen herumstehen haben. Gerade meine Binden, Damenrasierer oder Faltencremes soll nicht jeder sehen.“

  • Frau Balzer, Pensionärin, wohnt mit ihrem Mann in einem Haus:

  1. Jeden morgen mach ich mich in meinem Waschraum fertig. Ne gute halbe Stunde brauch ich bestimmt.“

  2. Mittlerweile eine Dusche, in die man nicht erst einsteigen muss. Sondern eine die flach ist. Ich hab Rückenprobleme. Das ist auch ein Grund für die Sanierung. Wir haben vor ein paar Jahren alles umgebaut. Moderner und altersgerecht. Das Bad davor war schon alt. Noch aus den 70er. Da haben wir gedacht, jetzt mal ein richtig Schönes.“

  3. Jeder von uns ist immer allein drin. Mein Mann schließt immer ab. Ich auch. Wenn ich in meinem eigenen Waschraum bin, dann nicht. Da kommt der sowieso nicht rein.“

  4. Wie ich ja schon gesagt hab. Ich hab mich damals sehr drauf gefreut auf das neue Bad. Deshalb auch die tolle Glasstatue und nur gute Handtücher. Die erste Zeit hab ich kaum was da drin gemacht. Ich wollte nichts kaputt machen. Heute geht mein Mann noch in den Keller duschen. Und ich hab ja meinen eigenen Raum. Das hier soll für Gäste auch immer besonders aussehen.“

  • Sabine, Kellnerin, wohnt alleine in einer Mietswohnung.

  1. Oh schnell Abbrausen (lacht). Und das auch nicht jeden Tag. Ich mach mich dann zwischendurch oder während dem Frühstück fertig. Deswegen kann ich das gar nicht genau sagen.“

  2. Haarspray und n guter Spiegel.“

  3. Eigentlich kaum. Ich lass das Bad oft offen stehen. Auch wenn mein Mann da ist. Der hat sonst seine eigene Wohnung. Aber auch dann wenn meine Schwester oder es Jessi, meine Tochter, zu Besuch kommen. Ich muss zwischendurch raus. Zieh an meiner Zigarette und geh dann wieder rein.“

  4. Habe es mir hier schön gemacht. Sogar Wandtattoos. Alles schön ordentlich. Aber sonst ist mir das Bad nicht so wichtig. Mein Bad in der vorherigen Wohnung war zwei Quadratmeter. Das hat mich überhaupt nicht gestört. Jeder hat immer gesagt, dass kann man sich da doch nicht wohlfühlen kann. Doch! Ich brauch nicht mehr.

  • Constantin, Industriekaufmann, wohnt alleine in einer Mietswohnug:

  1. Ich dusch gerne lange. Viel Geschiss mach ich sonst nicht (lacht). 20 Minuten? Ja, das würd passen.“

  2. Äh...n Klo (lacht). Ne, Spaß. Eigentlich eine richtige Duschwand. Ich kann nur Vorhänge benutzen. Zu klein alles hier. Aber klebt ständig an mir.“

  3. Sehr wichtig. Da gibts keine Kompromisse. Meine Eltern wussten früher schon, ah der Constantin ist im Bad, den lassen wir zufrieden. Ich will nicht gestört werden. Meine Freundin darf klopfen. Aber sonst erwarte ich von anderen, dass ich sie mich alleine und in Ruhe lassen. Ich fühl mich im Badezimmer sogar freier als im Schlafzimmer. Ich sing unter der Dusche, und das mach ich sonst nie, und rede mit mir selbst. Das hat mir meine Freundin erzählt (lacht). Hab das gar nicht mitbekommen.

  4. Wie man sieht. Nein (lacht). Wenn unter Gestaltung bunte Klosteine fallen, dann ja. Aber eigentlich nicht. Die Pflanze steht hier nur, weil es der einzige Raum ist, in den meine Katzen nicht dürfen. Und die fressen alles Grünzeug an.“

     

 


Badezimmertrends

 

 

 

Das Bad erlebt einen Aufstieg. Nach größeren, luxuriöseren, schöneren und besser ausgestatteten Bädern wird Ausschau gehalten. Die Menschen sind nun bereit mehr Geld zu investieren als vor 30 Jahren. Das liegt ganz gewiss an unseren wachsenden finanziellen Möglichkeiten, dem Bedürfnis nach Entspannung und Hygiene. Nicht zu vergessen ist unser Wunsch nach Attraktivität und Ästhetik. Wie kann man diesem gerecht werden? Indem die Möglichkeit gegeben ist, sich zu relaxen und gleichzeitig Schönheitspflege zu betreiben. Also warum nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn dies machen sich die Firmen und ihre Werbung zu Nutze. Die steril wirkenden weißen Nasszellen sind Schnee von gestern. Das Badezimmer wird nicht mehr nur als Raum für die tägliche Reinigung und der Pflege des Körpers angesehen, sondern auch als Wellnessoase ausgeschildert. Bäder werden als luxuriöse Spas im eigenen Zuhause vermarktet und auch gerne von Kunden angenommen. Badewannen sind in jeglichen Ausführungen zu erhalten. Freistehende, mit Goldfüßen verzierte Wannen, extravagante Whirlpools oder Schalenwannen, die an gelandete Ufos erinnern, sind keine Seltenheit. Duschköpfe werden immer größer und können sogar massieren. Systeme in Duschkabinen, durch die von allen Seiten Wasser auf dem Körper strömt, sind geläufig.

 

Ob nun retro, klassisch oder geradlinig modern, die neuen Bäder können alles. Eine Stilrichtung ist nicht vorgegeben. Nur der Komfort wird überall gleich angepriesen. Die Webseiten von Blogs oder Herstellern, an deren Anzahl es nicht mangelt, zeigen dies in hohen Maßen. Wie zum Beispiel roomido.com. Diese Seite bietet Raumideen an und und macht Werbung für Firmen und deren Internetseiten. Unter anderem zeigen sie, mit welchen Materialien auch im Badezimmer gearbeitet werden kann. Parkett oder Fließen in Holzoptik sind hier angesagt. Für jeden Geldbeutel lässt sich etwas finden. Die Bilder zeigen das Badezimmer als einen Ort, an dem man die Füße hoch legt und sich erholt. Eine Wanne in Form einer Hängematte ist dafür ein vielversprechendes Angebot.

Die Firma Hans-Grohe wirbt auf ihrer Seite hansgrohe.de mit sehr vielfältigen Ideen. Man kann zwischen luxuriös-edlen, organisch-minimalistischen oder facettenreich-femininen Modellen eines Badezimmers auswählen. Die abgebildeten Räume sind außergewöhnlich groß und teilweise in den restlichen Wohnbereich integriert. Auf manchen Fotografien lassen sich die Bäder erst auf dem zweiten Blick erkennen. Handtücher und Pflegeprodukte sind kaum zu entdecken. In vielen der Bäder stehen Sessel um ein gemütliche Atmosphäre zu erzeugen. Typische klinisch steril wirkende Bäder sind passé. Auf villeroy-boch.de stehen in den Bädern Kamine und Unterbauschränke für Waschbecken, die nichts mehr mit den typischen Schränken zu tun haben wie man sie in alltäglichen Baumärkten findet. holzdesign.cc bietet schwarze Hochglanzwaschbecken- und Schränke an, die bisher eher in Wohnzimmern zu sehen waren.

 

Dass diese Trends nicht bloß Versuche der Werbung darstellen, sondern wirklich die Interessen der Konsumenten wiederspiegeln, erkennt man auch durch Hoteleinrichtungen. Einige Hotels, zumindest die es sich leisten können, schlagen diesen Kurs ein. Jumeirah in Frankfurt zeigt wie ausgefallen die Ideen für Bäder sein können. Mit leuchtenden Waschbecken die bis zum Fußboden reichen oder Wannen auf die man vom Bett aus schauen kann. Das Bad ist nicht mehr hinter einer Tür zu entdecken, sondern es ist Bestandteil des Zimmers. Das Geld für Badezimmerbereich sitzt lockerer als Jahre zuvor.